Der neue Napoleon
Ein Abendrot brannte am Himmel von Frankreich sein Feuerwerk ab, der gallische Hahn stand in greller Beleuchtung und spreizte sein buntes Gefieder, daß wieder ein Kaiser Napoleon war.
Der den gewaltigen Namen und sein Gedächtnis, den Ruhm des Kaisers und den Rausch des französischen Volkes als seinen Glorienschein trug, hatte nur einen Ehrgeiz, nicht die Natur des korsischen Oheims überkommen.
Mit Abenteuern und Listen mancherlei Art war ihm der Aufstieg geglückt, aber der Atem wurde ihm eng, als er auf dem Kaiserthron saß; Großes zu tun vermochte er nicht, so gab er dem Kleinen den Anschein der Größe.
Zwar schien ihm das Kriegsglück gewogen, auf den lombardischen Feldern gewann er die Schlachten gegen den Habsburger Erbfeind: Magenta und Solferino klangen dem fränkischen Ehrgeiz nicht weniger stolz als einmal Arcole und Lodi.
Nie hatte ein Kaiser der alten Zeit die Straßen von Mailand so blumenbestreut gesehen, als da er der stolzen Stadt ihren König Victor Emanuel zeigte; und seit den Tagen des Korsen hatte kein Jubel Paris so erfüllt, als da er Savoyen und Nizza als Siegesbeute heimbrachte.
Da standen die Tore der Tuilerien geöffnet wie einst, Könige kamen, den neuen Herrn der Welt zu begrüßen; die Völker des Abendlands sahen den Kaiser von Frankreich wieder als Schiedsrichter walten.
In seinen Glanz fiel der Schatten, als Preußen der Tag von Königgrätz glückte; wohl rief die Hofburg den Kaiser als Schiedsrichter an, und das alte Rheinbundspiel schien zu glücken: als aber Napoleon Mainz und die Pfalz als Siegesbeute heimbringen wollte, wies Bismarck, der eiserne Graf in Berlin, seinem Gesandten die Tür.
Den Tag von Sadowa hießen die Franzosen die böhmische Schlacht, die ihrem Kaiser das Glücksspiel verdarb; den Tag von Sadowa zu rächen, blieb danach ihr Feldgeschrei, bis es dem Kaiser zum Schicksal und seinem ruhmgierigen Volk zur Demütigung wurde.