Der norddeutsche Bund

Zum drittenmal hatte der preußische Dämon die Falle gestellt, aber nun fing er die Fürsten von Hessen, Hannover und Nassau und auch die freie Stadt Frankfurt.

Sie hatten Preußen gehaßt und Habsburg getraut, der Frieden von Nikolsburg machte sie vogelfrei; von Habsburg verlassen, mußten sie Thron und Land an Preußen verlieren.

Noch war der König von Preußen nicht Kaiser, aber sein Kanzler, der eiserne Graf, übte die Kaisergewalt Barbarossas; wie der Staufer sein stolzes Maifeld, berief er den norddeutschen Bund.

Nicht auf den goldenen Feldern bei Mainz, nicht an den fröhlichen Ufern des Rheinstroms, in der kargen Königsstadt an der Spree, glanzlos und nüchtern mußte der neue Reichstag den Bau des Bundes beginnen.

Auch rief kein Herold die sieben Heerschilde auf, von dem stolzen Turmbau der Stände war nur noch die Stimme geblieben, die einmal in Urväterzeiten der Freiemann war und die nun im freien und gleichen Wahlrecht der Männer wieder zu Wort kam.

So hatte es Bismarck den Deutschen versprochen, bevor sie nach Königgrätz gingen, so hielt er nun Wort; die dem Junker mißtraut hatten, mußten erkennen, wie klug und stark der preußische Wille auf die Kaisergewalt zielte.

Denn noch schied der Main Süddeutschland vom Bund; mit Ingrimm und Sorge sahen die Fürsten und Völker nach Norden, was nun der Preuße begänne.

Die Fürsten schonte er nicht, das sahen sie alle; die Völker indessen konnte das Zündnadelgewehr nicht gewinnen: wohl aber, wie nun im norddeutschen Bund das Flickwerk der Fürsten ein Vaterland wurde mit einer freien Verfassung.