Das Zündnadelgewehr
Als Preußen den Bruderkrieg anfing, war Österreich immer noch mächtig im Bund, auch brach ein Schrei aus der Tiefe des deutschen Volkes gegen den preußischen Frevel: aber der eiserne Graf glaubte an den Soldaten, und der Soldat glaubte ans Zündnadelgewehr.
Der Teufel – hieß es – habe den Preußen die Waffe erfunden, schneller zu schießen als sonst ein redlicher Schütze; indessen er kniete und mit dem Ladestock lud, hatte der Preuße schon zweimal geschossen.
Und wie das Gewehr war sein Gefecht vom Teufel gesegnet; alles ging nach der Uhr: hierhin und dorthin marschierten die Heere, aber zur Stunde der Schlacht waren sie da mit der Zange.
Drei preußische Heere zogen nach Böhmen, wo Benedek langsam gegen die Lausitz vorrückte; drei Muren brachen aus dem Gebirge ins böhmische Land, das österreichische Heer zu erdrücken.
Die erste bot ihm die Front, aber die andern waren die Zange; als die schwarzgelben Fahnen bei Königgrätz standen, den Stoß aufzufangen, war die Schlacht schon verloren.
Gleich einer Burg waren die Hügel von Chlum vorgebaut gegen die Sümpfe der Bistritz, und Benedek stand jedem Sturm, seit früh ging die Schlacht und mittags kam sie zu stehen, schon winkte der Sieg den schwarzgelben Fahnen, als rechts im Rücken Kanonendonner begann.
Die zweite Mure war da, und schon kam die dritte von links, die Zange zu schließen; da half den schwarzgelben Fahnen die Burg und die Tapferkeit nichts, und alles Blut des grausamen Tages war ihnen vergeblich geflossen: sie mußten die Hügel von Chlum, sie mußten die Burg, das Feld und den Sieg dem flinkeren Feind lassen.
Die Schlacht war verloren und mit ihr der Krieg; bald standen die Sieger im Marchfeld: da hatte einmal das Glück von Habsburg begonnen, da ging es zu Ende.
Einen dreißigjährigen Krieg hatten die Neunmalklugen verheißen, nun war er in einem Monat vorüber; die hitzigen Sieger wollten nach Wien reiten, aber der eiserne Graf fiel ihrem Roß in die Zügel.
Ihm galt es nicht Preußen und Österreich, ihm galt es Deutschland; und ob ihn sein König selber zuerst nicht verstand: zu Nikolsburg machte ein rascher Friede dem raschen Feldzug ein Ende.
Indessen die großen Dinge in Böhmen geschahen, liefen die kleinen emsig in Franken: bei Langensalza hatten die Preußen das Heer von Hannover mit ihrem blinden König gefangen, aber die Kurhessen und Bayern, Schwaben und Badenser schlugen sich mit den Preußen auf vielerlei Straßen und Brücken herum.
Die Preußen schossen auch hier mit dem Zündnadelgewehr; die großen Kanonen standen in Böhmen, ehe sie kamen, wehten die weißen Fahnen auch schon in Franken.
Nie hatte ein Frieden den Ölzweig so eilig gebracht, wie der von Nikolsburg tat; kaum wußte der Bauer vom Krieg, kamen die Krieger schon heim, die Ernte zu halten.
Es war nur ein Sommergewitter, sagten die Völker, weil es zu schwül im Vaterland war! und die das Wort hörten, spürten es wohl: das Wetter war aus, und die Luft war gereinigt.
Noch standen die preußischen Heere im Feld, als der Gesandte von Frankreich, Benedetti geheißen, hochmütig in Preußen anklopfte: Mainz oder Krieg! – Dann Krieg! höhnte der Graf, und Deutschland fühlte den Sieg, der in dem stolzen Wort lag.