Der Ringkampf der Völker

Die deutschen Sieger hatten das letzte Feldheer des Kaisers geschlagen, aber der Kaiser war nicht das Volk der Franzosen; der Ringkampf der Völker fing seinen Schrecken erst an, und weit lag der Friede.

Wohl standen die deutschen Heere bald vor Paris, aber das Herz von Frankreich hörte nicht auf zu schlagen; hinter dem Gürtel starker Vorwerke war es gerüstet, auf seine Kinder zu warten.

Der sie rief, war ein anderer Mann als der kränkelnde Kaiser; in einem Luftballon verließ Gambetta die Hauptstadt, und wo sein Feuerwort hinfiel, standen die Söhne des Vaterlandes auf, Frankreich zu retten.

Von Norden, Süden und Westen liefen die Sturmwellen an, den dünnen Wall um Paris zu durchbrechen: in Lumpen und Leiden noch einmal Soldaten der großen Armee.

Das Sagenbild der neunköpfigen Schlange wurde den deutschen Soldaten zur bösen Erscheinung; wo ein Mann war, war auch ein Feind, und viele Männer waren in Frankreich.

Der siegreiche Sommer sank längst in den Herbst, und der Winter fing an zu schneien: immer noch warf das tapfere Land neue Heere ins Feld, immer noch sorgten die siegreichen Führer, ob sie des Feindes wohl Herr blieben.

Bis endlich der Hunger die mächtigen Tore von Metz aufmachte, bis endlich die Deutschen im Feld die Übermacht hatten, der Hydra den letzten Kopf abzuhauen.

Bei Orleans an der Loire, bei Amiens und Le Mans, bei Dijon, an der Lisaine, bei St. Quentin: überall hatte das Blut verzweifelter Kämpfe den Schnee gerötet, ehe der Donner der großen Kanonen das Herz und die Hauptstadt von Frankreich bezwang.

Einhundertachtzehn Tage lang war der eiserne Ring um ihre Tore gewesen; Hunger und Schrecken hatten das Herz von Frankreich müde gemacht, bis sein Mut aufhörte zu schlagen.

Tief im Süden, im waldigen Jura fiel noch ein letzter Streich gegen den kühnen Bourbaki; bei Pontarlier wälzte sich der blutige Rumpf der Hydra hinüber zur Schweiz.

Dann endlich war dieser schwere Krieg aus, der ein Ringkampf war zwischen den Völkern, und dem die Welt staunend zusah; denn noch war es Preußen mit seinen süddeutschen Brüdern, das solches gegen das mächtige Frankreich vermochte.