Der Schwur von Loreto
Im selben Jahr, da Philipp von Spanien starb, tat vor dem heiligen Haus in Loreto ein Habsburger Jüngling den Schwur: mit Gefahr seines Lebens jegliche Ketzer aus seinem Land zu vertreiben.
Er war ein Vetter des Kaisers und regierte in Graz den südlichen Teil der habsburgischen Länder; weil aber Rudolf, der Kaiser in Prag, samt seinem Bruder Matthias kinderlos war, reiften die Kronen der Vettern ihm zu.
So hob sein Schwur der katholischen Kirche das Schwert wieder auf, das Philipp sterbend hinlegen mußte; die Jünger Jesu hatten gesorgt, daß die Schneide gehärtet, daß der Habsburger Hochmut zum andernmal mit der Inbrunst der Kirche gestärkt war.
Wo der Schwur Ferdinands galt, deckte er Duldung und Frieden zu; als ihm sein Vetter Matthias die böhmische Krone abtrat, war sein Erbland gereinigt: Gut oder Glauben, hatte sein Schwert die Untertanen gefragt, und die den Glauben der Bibel wählten, waren aus ihrer Heimat vertrieben.
Aber die Böhmen hatten von Rudolf den Freibrief ertrotzt, zu glauben, zu predigen und Kirchen zu bauen, wie ihre Lehre gebot; Matthias mußte danach den Freibrief beschwören, auch Ferdinand sollte ihm Siegel und Unterschrift geben.
Er hatte die Jünger Jesu gefragt, ob er mit gutem Gewissen bestätigen könnte, was er gleichwohl nicht zu halten gedächte: sie sagten ihm Ja, und Ferdinand gab dem Freibrief Siegel und Unterschrift wie seine Vettern.
Als dann in Braunau und Klostergrab Kirchen gebaut wurden, hieß er sie schließen; darüber ergrimmten die böhmischen Herren in Prag und kamen hadernd ins Schloß, wo die Räte des Kaisers Matthias als Statthalter saßen.
Sie warfen die Räte samt ihrem Schreiber zum Fenster hinaus, sie riefen das böhmische Land auf und rafften ein Heer, gleich ihren hussitischen Vätern meineidige Kaisergewalt durch ein Volksgericht zu begleichen.
Sie standen vor Wien, als Kaiser Matthias starb und Ferdinand Hausherr der Habsburger wurde; schon hatten die Läufer den Aufruhr in seine Länder getragen: kaum daß er vermochte, nach Frankfurt zu fahren, die deutsche Krone zu holen.
Die Kurfürsten hatten die Wahl getätigt und standen im Dom, den Kaiser nach altem Brauch auf den Altar zu heben, als ein Reiter aus Prag die Absetzung brachte; die böhmischen Stände hätten statt seiner den Pfalzgrafen Friedrich als König gewählt.
Ein Stück aus dem Domgebälk brach nieder neben dem Altar, fast hätte sein Sturz den Kaiser erschlagen; die Furcht kommenden Unheils fiel in das drängende Volk.