Der Winterkönig

Noch war der mächtige Herzog von Bayern Schwertherr der Liga, nicht Kurfürst, und Ferdinand mußte von Frankfurt nach München; auch war es eher ein Bittgang, denn daß er als Kaiser befahl.

Aber was beiden zunutz war, mußte geschehen: indessen Friedrich der Pfalzgraf mit seinem Hoflager nach Prag fuhr, einen Winter lang König zu spielen, rüstete Max der Herzog im Namen der Liga ein mächtiges Heer, und als es Sommer war nach dem Winter, stand er in Böhmen.

Da hatte Friedrich, der pfalzgräfische König, mehr an die Pracht seiner Kleider denn an die Waffen gedacht; auch waren die pfälzischen Prediger eifrig gewesen, die Böhmen calvinisch zu machen.

Sie hatten die Kirchen geräumt und die Wände gesäubert, sie hatten aus Prag ein neues Streitlager gemacht, den Götzendienst der Lutherischen selbstgerecht zu verdammen.

Schon stand der Feind dicht vor der Stadt, als endlich das böhmische Heer in nasser Novembernacht auszog: am weißen Berge bei Prag wurde es grausam geschlagen, in einer Mittagsstunde zerrann dem Winterkönig sein Glück.

Er saß nach pfälzischer Sitte zu Tisch, indessen ihm Tilly, der Feldherr der Liga, das Schwert aus der Hand und die böhmische Krone vom Kopf schlug; nun raffte er eilig das Seine und ging auf die Flucht, sein unrühmliches Leben zu retten.

So hatte der Habsburger wieder das seine, die böhmischen Bürger und Bauern mußten den Herren in Prag die falsche Königswahl büßen.

Der Kaiser nahm den böhmischen Freibrief und zerschnitt ihn mit eigener Hand; wie ein Gärtner die Knechte ausschickt, Unkraut zu jäten, so sandte der Orden Jesu die spanischen Hüte ins böhmische Land und in alle österreichischen Länder.

Gut oder Glauben, so hieß noch immer die Frage des Schwertes: Tausend und Tausende wählten den Glauben, ließen die Heimat und ließen das Haus ihrer Väter, das Land der Verheißung zu finden; aber auf Erden war es die Fremde und bittere Armut.

Der Schild und das Schwert der katholischen Liga stand vor dem Kaiser, und hinter ihm hob sich der römische Schatten: Glück und Ende des Winterkönigs in Prag war nur der spöttische Anfang, nun kam der Ernst über Deutschland und wollte zum bitteren Ende.