Der Sieg der Fürsten
Der Kampf, den Heinrich der Vierte sein Leben lang kämpfte, war traurig verloren; sein Sarg in Speyer blieb draußen am Dom als gramvolles Bildnis gestorbenen Volkskönigtums stehen.
Die Fürsten hatten den finsteren Sohn ihres Feindes vorzeitig zum König gemacht, und der Papst war ihrem Frevel Nothelfer gewesen; seiner Fesseln nicht froh tat Heinrich der Fünfte die Romfahrt anders als seine Ahnen.
Die Großen und Grafen traten ihm bei, und die Vasallen strömten ihm zu in unübersehbaren Scharen: der Gottesfrieden hatte sie müßig gemacht, nun gab es fröhliche Fahrt.
Nie hatte das lombardische Land mehr Ritter und Lanzen gesehen als in dem hochmütigen Herbst, da Heinrich der Fünfte die lombardische Städtemacht dämpfte; und als er im Winter nach Rom kam, stand Paschalis wartend, die mächtige Hand zu ergreifen.
Immer noch hielt der Streit der Belehnung die Kirche in Zorn; aber dem Papst wie dem Kaiser waren die deutschen Bischöfe zu mächtig, und heimlich wurden die Stricke geflochten, die mächtigen Hände zu binden.
Und so war die Lösung, die Kaiser und Papst in Heimlichkeit fanden: der Papst allein sollte Herr der Bischöfe sein, aber sie sollten der weltlichen Geltung im Reich des Kaisers entsagen, all ihr Lehensgut sollte wieder dem Reich und dem Kaiser gehören.
Das war die christliche Scheidung; sie teilte den Mächten das Reich, gab Gott und dem Kaiser, was Gott und dem Kaiser gehörte.
Als aber der Papst in Sankt Peter die heimliche Gleichung offenbar machte, da sprangen die Bischöfe auf im Tumult und zwangen den Papst und den Kaiser, den heimlichen Strick ihrer weltlichen Macht zu zerreißen.
Seitdem stand Heinrich der Fünfte nicht mehr in der Gunst der geistlichen Großen; sie wollten die Weltfürsten bleiben und zwischen dem Papst und dem Kaiser die eigenen Machthändel treiben: wie Heinrich der Fünfte den Vater verriet, so war er nun selber verraten.
Wilder denn je ging der Streit um die Macht, und die Vasallen saßen im Sattel das ganze Jahr; der Gottesfrieden ging unter im Lärm ihrer Schlachten, denn nun war kein Kaiser des Volkes mehr da, ihn zu halten.
Wohl lenkte Heinrich der Fünfte klüglich zurück in die Bahn seines Vaters; er ließ mit goldenen Lettern am Dom zu Speyer die Bürgerfreiheit ansagen: aber dem Finsteren blieb das Herz des Volkes verschlossen.
So kam in Würzburg der klägliche Tag für den Kaiser: hie Papst, hie Kaiser stand auf den Fahnen der Heere; aber die Fürsten stiegen vom Roß hüben und drüben, den Streit zu beenden und auf dem Streitfeld die Zelte der eigenen Herrschaft zu bauen.
Da wurde ein anderer Strick geflochten, Kaiser und Papst die Hände zu binden; da schrieben die Räte der Fürsten das Konkordat, das auf dem Reichstag zu Worms den Streit der Stärke zudeckte:
Der Papst belehnte den Bischof mit Ring und Stab als Zeichen der geistlichen Würde, der Kaiser gab ihm das Zepter als Zeichen der weltlichen Fürstengewalt.
Ein halbes Jahrhundert lang hatte der Streit dem Kaiser den Atem genommen, ein halbes Jahrhundert lang hatte das Feuer die Völker gebrannt, nun dämpften die Fürsten die glühende Asche.
Heinrich der Fünfte blieb er genannt, König der Deutschen und römischer Kaiser: wo seine Väter die Schutzherren waren, nahm er nun selber die Krone, Reichsapfel und Zepter als Lehen der Kurfürstengewalt.
Das Reich der Kaiser war tot; als die Bürger und Bauern Deutschland den Mantel des einigen Königtums brachten, riß ihn die Herrschsucht der Fürsten in Fetzen.