Der Weltkrieg
Deutschland erklärte Rußland den Krieg, und die Welt verfluchte den Friedensstörer; Deutschland marschierte in Belgien ein, und die Welt schrie nach Rache; Deutschland stand auf, wie ein Volk um sein Dasein aufsteht, und die Welt war bereit, sein Dasein zu löschen.
So war es schon einmal, als Friedrich in Sachsen einbrach, als Österreich, Rußland und Frankreich, samt seinen Trabanten im Rheinbund, mit ihrer Unschuld dastanden und engelrein kamen, den Bösewicht zu bestrafen.
Frankreich hatte nicht Jahr für Jahr um seine Revanche gefiebert; Rußland hatte nicht Bahnen gebaut und zum Krieg gerüstet mit dem Geld der Franzosen; England hatte nur friedliche Freundschaft gesät in Frankreich und Rußland.
Nie sah die Welt so ehrlich entrüstete Mienen, als da der Tag kam, den sie alle gewollt hatten; nie ging ein Volk so blind in die Falle, als da die Deutschen Habsburg zuliebe in das geschliffene Schwert rannten; nie hatte ein Volk seinen Führern so töricht getraut und sie leichtfertig gehen lassen; nie war eine Schuld so schief und ein Schicksal so aus der Schulter gerissen.
Der Krieg stand vor der Tür, und Wilhelm der Zweite ging auf die Reise; sein Kanzler sah weisheitsvoll zu, wie das Reich eingespannt wurde vor den Habsburger Wagen; die Bundesfürsten und all ihre klugen Minister ließen die Dinge geschehen, als ob der kommende Tag ein Manöver und das heiligste Ding in der Welt eine mißbrauchte Bundespflicht wäre.
Aber tief in den Gründen des Volkes gerannen die Säfte der Zeit; die alte und neue Zwietracht fühlten die Stunde gekommen für ihre Ernte, die dritte stand todesbereit.
Aller Wohlstand der Städte und all die neue Reichsherrlichkeit war nur der Tanz um das goldene Kalb, all die prahlende Pracht nur die Jagd nach dem Glück und all die fiebernde Hast nur die tiefe Enttäuschung gewesen.
Die goldene Spinne hatte in allen Herzen gesessen, sie hatte den Armen geplagt und den Reichen gehetzt und hatte den Menschen die Seele gefressen: Glück war Genuß, Genuß war Gier, Freiheit war Willkür, Schönheit war Schein und Würde war falsche Währung geworden.
So stieg der Groll aus den Tiefen und sah ein anderes Glück auf die Spitze des Degens gestellt, als das in all den Geschäften, Büros und Fabriken, Straßen und Bierhallen der prahlenden Städte zuhaus war.
Aber der Groll war nur Schaum in den Wogen; die Wogen gingen um Macht, wie sie in England, Frankreich und Rußland um Macht gingen; und Macht hieß vom Reichtum der Erde mehr als die andern besitzen.