Die Schuld

Willst du den Frieden, so rüste für den Krieg! stand über den Türen der Staaten, aber das doppelzüngige Wort hatte das Abendland in die Hölle geführt; denn wer den Krieg rüstet, der züchtet ihn groß, und wer ihn züchtet, den will er fressen.

Eisen und Blut hatte Bismarck verkündigt, aber Eisen und Blut heißt die Gewalt; Gewalt heißt mißbrauchte Macht; Widergewalt oder Knechtschaft, anderes kann sie nicht züchten: Widergewalt gaben einander die Staaten im Abendland, Knechtschaft war über den wehrlosen Völkern der Erde.

Sie hießen sich christliche Völker und lebten im Haß; sie sangen Frieden auf Erden und starrten auf Krieg; sie rühmten sich ihrer Kultur und maßen sich mit Kanonen.

Raubtieren gleich saßen sie hinter den Gittern, Raubtieren gleich streiften sie über die fernsten Felder der Erde, ihren Raub unter den wehrlosen Völkern zu finden.

Und all ihr Begehren, ihr Streit und die tödliche Feindschaft ging um den Fraß: Kolonien hießen sie ihren Futterplatz, Kriegsflotten ihre Krallen, und abendländische Kultur die Verderbnis und Sklaverei, die sie in alle Erdteile brachten.

Willst du Gewalt, so rüste den Krieg! willst du den Mißbrauch der Macht, so mache dich mächtig, Gewalt zu gebrauchen! und willst du Frieden, so bist du ein Schaf unter Wölfen!

Rußland mußte das Meer haben, aber das Meer stand ihm offen für alle seine Schiffe, solange nicht Krieg war; England mußte den Seeweg nach Indien schützen, aber im Frieden konnte ein Hochzeitspaar mit der Schaluppe nach Indien fahren; Deutschland mußte die englische Seeherrschaft brechen, aber die Häfen der Welt waren der schwarzweißroten Flagge geöffnet, bis sie der Krieg zumachte.

Das Abendland wollte den Krieg, weil sein Dasein Gewalt war; als es ihn vierzig Jahre lang gezüchtet hatte, konnten die Gitterstäbe des Friedens das Raubgetier nicht mehr halten.