Die Marneschlacht
Als die Deutschen wieder nach Frankreich marschierten, sollte noch einmal die Zange den raschen Feldzug gewinnen; indessen von Metz bis Mühlhausen nur eine Scheinmacht anrannte, sollte der weitaus gewaltigere Flügel von Norden einschwenkend das feindliche Heer in seinen eigenen Festungswall pressen.
Wohl konnte das übergewaltige Kriegsvolk der Deutschen das belgische Heer überrennen, aber von Lüttich bis Charleroi floß viel Blut in die Spur; und jedes Dorf, das an der Maas brannte, war der Welt eine lodernde Fackel, das deutsche Unrecht grell zu beleuchten.
Auch hielten die harten Kämpfe den Einmarsch tagelang hin; als die Deutschen nach Charleroi kamen, fanden sie schon die Franzosen.
Von Verdun bis Lille stand ihre Front kampfbereit und mußte in schweren Stürmen berannt sein, indessen aus Flandern das englische Heer die deutsche Flanke bedrohte.
Aber dem Ungetüm schien der gewaltige Schlag doch zu gelingen: in breiter Flucht wankte die Mauer der stolzen Franzosen, über die katalaunischen Felder rollten die Trümmer hin.
Schon schwärmten die deutschen Ulanen gegen die Seine, der Donner naher Kanonen schreckte Paris, der Präsident samt den Ministern floh nach Bordeaux, als sich die Absicht der Zange enthüllte.
Einem gewaltigen Torflügel gleich drehte die deutsche Front sich nach Osten, die Riegel streiften Paris und gingen bei Meaux über die Marne hinüber, die katalaunischen Felder von Westen umfassend.
Zu riesenhaft waren die Massen der Männer, Rosse, Kanonen und Wagen, die tagelang vorgestürmt waren; als sich die Heerhaufen zu kreuzen begannen, als der Befehl sich verwirrte, mußten die Deutschen zurück: die Schwenkung war über die eigenen Füße gestolpert; die Führung hatte den Griff der Zange verloren.
Wohl konnten die Heere sich sammeln und über dem weißen Staub der Champagne eine festere Mauer aufstellen, als vordem die der Franzosen: aber die Marneschlacht war verspielt, der große Schlag war mißglückt, ein anderer Feldzug mußte beginnen.
Nur noch am äußersten Flügel im Westen fraß sich der Feuerbrand hin; die Heere wollten einander umfassen und rissen die Schlacht nach Norden, bis sie nach blutigen Wochen in Flandern erstickte, bis die Mauer der Deutschen von Basel bis Ypern kampfbereit stand.
Die rasende Fahrt der Kanonen über die Straßen und Felder, das rasche Reitergefecht, der nächtliche Marsch zur Umfassung, der Sturmangriff der Bajonette: was sonst den fröhlichen Feldzug machte, kam nun zur Ruhe, der Schützengraben wühlte den Krieg in die Erde.