Die belagerte Festung
Eine belagerte Festung war Deutschland im Weltkrieg, und alle Tapferkeit konnte dem Hunger kein Tor öffnen.
Hindenburg hatte im Osten den russischen Sturm abgeschlagen und Polen zum Bollwerk der Festung gemacht; im Westen hielt eine Mauer aus Stahl und Treue der Heimat den Feind fern: aber das Außenwerk hier wie dort konnte den Frauen und Kindern kein Brot bringen.
Als Mackensen dann mit Conrad von Hötzendorf in Galizien siegte und die russische Front weit in die Sümpfe zurückwarf, waren unendliche Weiten und Wüsten erobert, die russische Kornkammer war es nicht.
So mußte die Tapferkeit weiteren Weg suchen; über den Balkan brauste sie hin zu den Türken; Serbiens kurzes Siegerglück sank vor der deutschen Übermacht nieder: aber der Weg nach Bagdad führte nur in die Wüste.
Auch der heilige Krieg des Propheten half der Festung nicht aus dem Hunger; der Halbmond war in den türkischen Angeln verrostet, der kranke Mann in Byzanz konnte kein Wunder im Morgenland wirken.
Die deutsche Tapferkeit hatte – das mußte sie bitter erfahren – nichts als ihr Schwert; nie hatte sein Schlag so harte Taten getan, als da es vor seinem Untergang stand.
Wie einmal die Goten ihr kurzes Schwertherrenglück hatten, wie Alarich über Rom siegte und doch nur ein Straßenkönig war, wie der Ruhm des tapferen Todes um Totilas blühte: so wurde das deutsche Schicksal noch einmal erfüllt.
Völkerwanderung war wieder wie damals; die Straßen des Abendlandes hallten von ihren Schritten; von Ypern über die Dardanellen, vom Idsteiner Klotz bis Riga donnerten ihre Kanonen, und wie zu Kreuzritterzeiten flatterten deutsche Fahnen im heiligen Land.
Seit dem Kriegsherrn aus Korsika sah der Dämon des Krieges nicht solche Taten; und wo seine große Armee im russischen Winter verdarb, standen die Deutschen getrost und rasteten nicht, bis sie die Zarenherrschaft zerschlugen.
So grausamen Hohn hatte das Schicksal dem deutschen Schwert aufgespart, daß es der englischen Weltherrschaft diente, indem sein tödlicher Schlag das Russenreich traf.
Unter den Feinden Englands war Deutschland der nächste, Rußland der stärkste; als der nächste den stärksten bezwang, hatte das deutsche Schwert den Krieg für den englischen Seeherrn gewonnen.
Denn nun stand Deutschland als Todfeind Englands allein; die belagerte Festung hatte sich selber das letzte Bollwerk zerstört: England konnte getrost auf den Tag warten, da der Hunger der deutschen Tapferkeit das Schwert aus der Hand nahm.