Die blonden Räuber der Frühe
Rund um das Mittelmeer lagen die uralten Gärten; den Reifriesen fern und nicht zu nah den glühenden Mächten, brachten sie Blüte und Frucht in lässiger Fülle.
Korn und Früchte, Honig und Wein wuchsen den Händen mühelos zu, das Vieh ging wohl auf der Weide, die Fischer holten singend den reichen Fang.
Wie der Wind ging, trieb er die Schiffer an günstigen Strand; vom Morgen- zum Abendland säumte die Brandung blühende Küsten; heiter und hoch am zärtlichen Himmel hielten Rosenwolken die trübe Nebellast fern; die stahlblaue Flut sah selten gefährliche Stürme.
Bräunliche Kinder der Sonne fühlten sich üppigen Göttern in günstiger Nähe, ernteten singend den Segen und hielten sie gnädig gestimmt durch reiche Gaben.
Da kamen von Norden schwertfahrende Völker; Weiber, Kinder und Vieh im Troß ihrer reisigen Habe, wandernde Städte, allabends gerüstet mit Wällen und Ketten um ihre Wagenburg.
Wegkundige Späher fanden die Tore im Rand der Gebirge, berittene Scharen flossen ins Land wie Frühlingsgewässer und bahnten dem Fußvolk den Weg, das mit Schwertern, Schilden und drohenden Helmen bewehrt die furchtsamen Völker bezwang.
Denn größer und stärker waren die Männer als alle Mittelmeerkrieger, blauäugig, blond, nackten Leibes im Schnee und im kalten Gewässer: Riesen der nordischen Nebel, die den Reichtum der Gärten mit Schwertschlag erwarben und die Gunst ihrer Sonne lachend genossen.
Bis an die südlichen Küsten wurden die Völker gedrängt, flüchtend auf eiligen Schiffen, auf felsigen Inseln von ihren Göttern verlassen das Dasein zu retten, indessen die Räuber fröhlich die Ernte einbrachten.
Noch gab es nicht Hellas und Rom, und die Ilias lag noch im Schoß zukünftigen Schicksals, als die Väter der Griechen und Römer die Schwertherren der uralten Mittelmeergärten wurden, als die Sonne Homers zu scheinen begann in den Kranz der olympischen Götter.