Die olympischen Götter

Von Norden kamen die blonden Räuber der Frühe, aus Nebelnächten unendlicher Wälder und von den kalten Meerküsten.

Es ging eine Sage der Heimat mit ihnen von der versunkenen Insel Atlantis, wo der Sonnengott wohnte in blühenden Gärten und wo das Leben im Licht lag, bevor die Reifriesen kamen und die alles verschlingende Sintflut.

Denn einmal gingen sie nicht auf den Straßen der Fremde, einmal wohnten sie froh in der eigenen Freiheit und Er stand im Segen der Fülle: Sein Kleid war die Bläue des Himmels, Sein Auge die strahlende Sonne.

Nun saßen sie wieder an sonnigen Küsten; aber der Gott ihrer Herkunft hielt sich verhüllt in himmlischen Fernen, indessen der elementarische Aufruhr das streitbare Geschlecht der Götter erhöhte.

Die aus Nebel und Not ihrer Flucht in die lässige Fülle der Mittelmeergärten gelangten, malten das Bild des göttlichen Daseins mit lockenden Farben, malten es aus mit dem Glanz ihres irdischen Glücks, mit dem schuldvollen Tun ihrer menschlichen Schwächen.

Auf dem olympischen Freudensitz saßen bei Mahl und Trank die glückreichen Götter; die gleich den Menschen Schwertherren waren, rühmten sich ihrer Taten und Listen und bestritten einander den Rang ihrer himmlischen Geltung.

Wohl hießen sie Zeus den Vater und Fürsten der Göttergewalt, aber die Fülle selbstherrlicher Macht hing verstrickt in menschlichen Trieben; Hera, die Herrin des Hauses, war seiner Treue nicht froh.

Im Schalkspiel sinnenfroher Verkleidung trieben die ungebändigten Wünsche der Götter die Abenteuer der Erde, sie hoben die Lust ihrer Laster ins himmlische Licht und die Tracht ihrer Tugend.

Gnade und Groll ihrer Laune verkehrten den Menschen die Tage aus flüchtiger Freude in trostlose Trauer; aber sie standen im Schicksal wie sie als kurze Tyrannen.