Die deutschen Ordensritter

In Zank und Schimpf ging das Grab und das Heilige Land den Ordensrittern verloren; aber der Hochmeister Hermann von Salza brachte ihr Schwert über die heidnischen Preußen, da mähten die Ritter dem schwarzen Kreuz ihrer Weißmäntel eine fröhliche Ernte.

Indessen die Kurfürsten in Aachen Rudolf von Habsburg die Krone aufsetzten, bauten sie schon ihre feste Burg an der Nogat; als König Albrecht, sein Sohn, durch Mörderhand fiel, war ihre Zwingherrschaft so sicher gegründet, daß der Hochmeister selber ins preußische Land kam, in der Burg an der Nogat zu wohnen.

So wurde die Burg ein gewaltiges Schloß, Marien zu Ehren genannt, die Gralsburg der schwarzweißen Ritter.

Denn nun war der Hochmeister Reichsfürst geworden wie keiner: nicht Bischofs- noch Bürgergewalt galten im Preußenland, die Weißmäntel ritten den Zügel der Zucht, und wie sie Gehorsam gelobten, verlangten sie ihn.

Sie waren die eiserne Hand, der Hansa im Osten die Waage zu halten; Kurland, Livland und Estland, die reiche Küste der Ostsee, zwangen sie ein in den Ring ihrer Herrschaft und hielten den Ring in hartnäckigen Kriegen.

Denn herrschen und kämpfen war ihre Lust, weil es ihr Dienst und das Gelübde der Ordenspflicht war, über die Heiden das Kreuz und das Schwert zu bringen.

Als Winrich von Kniprode Hochmeister war, der gewalttätige listige Mann, stand ihre Schwertbrüderschaft höher in Geltung als sonst im Reich eine Macht; als er der Hansa den Frieden von Stralsund erzwang gegen den Atterdag, wehte die schwarzweiße Fahne stolz auf der Burg an der Nogat.

Da wurden die Säle der festen Marienburg weit, da hielten die Säulen dem Remter der schwarzweißen Ritter die Decke kunstreich gespannt, da waren die Höfe und Hallen geschmückt mit dem Reichtum des preußischen Landes wie das maurische Königsschloß der Alhambra.

Aber schon wehte der polnische Wind Sandwellen in ihre Gärten; der Eidechsenbund der Preußen weckte den Haß und den Widerstand gegen die Willkür der landfremden Ritter; und als der Tag von Tannenberg kam, wurde das schwarzweiße Banner rot im Blut der verlorenen Schlacht.

Wohl konnte Heinrich von Plauen die Burg an der Nogat noch einmal mit Tapferkeit halten; aber das Glück der schwarzweißen Ritter hatte die Zucht welk gemacht für das Unglück: im blutigen Remter der Marienburg hielten die polnischen Sieger das Nachtmahl.