Die Eidgenossen
Als Rudolf von Habsburg noch schwäbischer Graf war, hielt er zu Altdorf Gericht im Namen des Kaisers; denn die Waldstätten hatten den Brief des Sizilianers, der ihnen die Reichsfreiheit beschwor.
Rudolf von Habsburg war stark und gerecht, aber Albrecht, sein einäugiger Sohn ritt stolz in den Tag; er dämpfte den Hochmut der rheinischen Kurfürsten und lachte der trotzigen Bauern.
Er setzte den Waldstätten Ritter als Vögte; der Landammann durfte der freien Gemeinde nicht mehr im Namen des Königs Recht sprechen.
Aber die Waldstätten schwuren den Bund auf dem Rütli: Werner Stauffacher aus Steinen bei Schwyz, Walter Fürst aus Uri und Arnold von Melchtal in Unterwalden kamen zur Nacht auf die heimliche Wiese und schwuren im frühen Tag, keine Burg und keinen Vogt in ihrer Freiheit zu dulden.
Am Neujahrstag brachen die Berge ins Tal; mit Streitaxt und Morgenstern kamen die Bauern hinab in die Täler, die Burgen zu brechen: da wurden die Waldstätten frei von der habsburgischen Plage.
Sie schwuren noch einmal den Bund und nannten sich Eidgenossen; sie priesen den tapferen Schützen, der dem bösen Landvogt zu Küßnacht den Pfeil in das Herz schoß, und die Gewässer rauschten die Sagen vom wackeren Tell.
Aber zum Mai kam Albrecht der König geritten; das Gerücht seiner drohenden Rache ging in den Waldstätten um, als Johann von Schwaben, der Neffe, den harten Habsburger erschlug.
Da blies das Hifthorn der Habsburg den blutigen Mai, aber die Waldstätten grüßten das Frühjahr mit Freuden, denn nun war Heinrich von Luxemburg König, den Habsburger Hochmut zu dämpfen.
Sieben Jahre lang ging die Freiheit ins Land, bis Heinrich von Luxemburg starb, bis Leopold, der Herzog von Österreich, mit gepanzerten Rittern kam, die Eidgenossen in seine Hausmacht zu zwingen.
Aber die Waldstätten hatten die Wachen sorglich gestellt; als die gepanzerten Ritter gen Morgarten kamen, über den Ägerisee ins Schwyzerland einzubrechen, hatten die Bauern dem Habsburger Wolf die Falle bereitet.
Felsblöcke brachen ins Tal und schlugen blutige Quellen, der Morgarten wurde ein rauchender Anger, der See ein rauschendes Grab für den Hochmut der eisernen Ritter.
Zehnmal sieben Jahre gingen der Freiheit ins Land, und Wenzel war König, als wieder ein Leopold kam, die Eidgenossen zu zwingen; aber nun war die Bauernschaft mächtig und die Städte standen ihr zu.
Bei Sempach ritten die Österreicher an, Luzern zu berennen, und das Streitfeld war frei, die Hengste zu tummeln; das Fußvolk der Waldstätten hatte nach Urväterbrauch den Keil aufgestellt.
Die Ritter stiegen vom Roß, der drohenden Spitze des Keils mit ihren Panzern zu wehren: eine Mauer von Eisen stand vor den Bauern, mit Speeren gespickt, da mußte die Spitze stumpf werden.
Arnold von Winkelried aber machte sie scharf: gleich einer Garbe band er die Spieße in seinen sterbenden Leib und brach eine Gasse, darin sich der Keil gewaltig einbohrte.
Da hatten die Streitäxte Arbeit, die eisernen Bäume zu fällen; der Tag war heiß, und von den Streichen der Bauern getroffen, erstickten die Ritter in ihren Eisengehäusen.
Leopold selber, der Herzog, sank in den Haufen, die fliehenden Lanzenknechte mähte der Morgenstern hin: so mußte der Wolf dem Stier den Weidgang lassen.