Rudolf von Habsburg

Als Richard der Reiche gestorben war, suchten die Kurfürsten lange, einen König der Deutschen zu finden; und als sie ausgesucht hatten unter den Fürsten und keinen fanden, wählten sie einen Grafen, Rudolf von Habsburg geheißen.

Er hatte dem Sizilianer klug und beständig gedient und war mit vielerlei Fahrten nützlich ins Alter gekommen, als die Kurfürsten ihn auf den Königsthron setzten.

Seine Macht war nicht groß, aber er hatte sein Gut beharrlich vermehrt und galt als Feldhauptmann viel; Friedrich von Zollern, der geschäftige Burggraf von Nürnberg, trug ihm die Gunst derer zu, die gleich ihm ein Königslehen besaßen.

Als sie ihn krönten zu Aachen in altertümlicher Weise, ritten die Grafen und Ritter in fröhlichen Scharen zum Fest, im Kaisersaal prahlte das Glück ihrer Stunde.

Sie dachten gegen die Fürsten ein neues Brett zu gewinnen, aber der Habsburger hatte gelernt, sich selber zu dienen; wie er als schwäbischer Graf mählich zu dem Seinen gekommen war, saß er als König im Sattel.

Mancherlei Mächte hielten dem Reich das Streitroß geschirrt; er mußte mit kluger Beständigkeit warten und mit der Krone Feldhauptmann bleiben.

Er mußte dem Papst in Demut geloben, dem staufischen Kaisertraum zu entsagen; er mußte den Städten den Landfrieden schwören und mußte den Fürsten das Schwert ihrer Händelsucht lassen.

Als er dem trotzigen König von Böhmen sein deutsches Königsrecht wies, blieben die Großen und Grafen daheim, und wenig Ritter zogen mit ihm, die Schlacht auf dem Marchfeld zu schlagen.

Der Habsburger aber gewann die Schlacht mit dem Zollern, und der stolze König von Böhmen lag tot auf dem Marchfeld: der Feldhauptmann war Herr in der Ostmark und säumte nicht, seine Söhne reich zu belehnen.

So war er selber ein Großer an Hausmacht geworden; aber sie zu behalten, mußte der Habsburger Feldhauptmann bleiben: das Feldlager war seine Burg und der Krieg mit den Kleinen sein tägliches Handwerk.

Um seine hagere Gestalt war kein Glanz, und die Krone saß schlecht auf dem Graukopf: die Kaiserpracht blieb mit den Staufern verschwunden, kein römisches Reich spannte fortan den Bogen der Macht über die Völker.

Aber die Bürgerschaft hatte das Schwert ihrer Ordnung, und das Volk war dem Habsburger günstig gesinnt, der die Raubritter aufhing und in schnurrigen Späßen als derber Spaßvogel umging.