Die Erbschaft der Liselotte
Die Fürsten Europas waren vervettert, aber den Zank um die Erbschaft mußten die Völker bezahlen.
Ludwig des Vierzehnten Mutter war Anna von Österreich und seine Frau eine Tochter des spanischen Königs: der Todfeind von Habsburg war selber dem Hause versippt; auch hatte der Bruder des Königs Liselotte, die Schwester des Pfalzgrafen, zur Frau.
Die deutsche Prinzessin am Hof zu Versailles war ein drolliges Weibsbild; aber sie wurde der pfälzischen Heimat die Quelle unsäglicher Leiden.
Als Karl, ihr Bruder, kinderlos starb und die von Pfalz-Neuburg rechtmäßig die Erbschaft antraten, ließ sie den mächtigen Schwager ihr Erbteil vom Reich für Frankreich einfordern.
Das aber war zu der Zeit, da die Türken Belgrad verloren, da der allerchristlichste König seinen besten Mithelfer bedrängt sah: dem Halbmond gegen das siegreiche Kreuz des Habsburger Feindes zu helfen, fing er den pfälzischen Krieg an.
Aber das Reich war besser gerüstet, als da er Straßburg einsteckte; Melac, sein Feldherr, konnte die Pfalz nicht behalten.
Wo aber die Sonne des Königs von Frankreich nicht scheinen durfte, brauchte die Frucht nicht zu reifen, brauchten die Scheuern und Häuser, die Schlösser und Kirchen der Pfalz nicht mehr zu stehen.
Der König will es! so hieß die Mordbrennerlosung; der König will es, daß Heidelberg in eine Öde gestellt sei, daß die Dörfer der Bergstraße brennen, daß die Straßen im Winter mit flüchtenden Menschen gefüllt sind, daß ihrer viele erfrieren!
Der König will es, daß Speyer und Worms die Mordbrennerwut schlimmer erfahren, daß die salischen Dome mit brennenden Dächern in Brandhaufen stehn, daß den Leichen der Kaiser in ihren Gräbern Schande geschieht!
Der König will es, daß eine brennende Wüste von Speyer bis Trier den Glanz seiner Sonne grausam umgrenze, daß die grüne Frucht auf den Feldern untergepflügt werde!
Melac! so riefen die Pfälzer danach ihre Hunde und hätten sie besser Liselotte getauft, die sich im höfischen Glanz von Versailles der glücklichen Jugendzeit freute, da sie im Schloßgarten zu Heidelberg Kirschen und Kuchen verzehrte.
Indessen so böses Mordbrennertum den rheinischen Winter und Frühling bedrängte, zogen die Heere der Fürsten zögernd zu Hilfe, und als sie bei Fleurus im Niederland endlich ausholten zum Schlag, fielen sie schlimm in den Degen der Welschen.
Zum zweitenmal konnten die Mordbrennerscharen den Rhein überschreiten, und diesmal sank Heidelberg hin: in Trümmer zerbrach das herrliche Schloß, und düster lag über der Stadt der schwelende Rauch ihrer Brände.
Der aber König der Mordbrenner war und der Schwager der Liselotte, von ihrer Prinzessinnenseele fröhlich bewundert, er ließ auf die brennende Stadt eine Schaumünze prägen, als ob Brandstiftung auch noch ein Zeichen fürstlichen Gottesgnadentums wäre.