Die Erhebung

Indessen die Männer der neuen Zeit Preußen erhoben, saß der König stumm und bedrängt in Berlin; er konnte den Geist der Zeit nicht erfassen und fürchtete eher, daß ihn der Aufruhr verschlänge, als daß er ans Volk glaubte.

Denn immer noch war die französische Hand stark in Berlin; weil Hardenberg aber, sein Staatsminister, die List und die Lüge verstand, ließ er den König vor den Franzosen sein Puppenspiel machen, er aber wußte die Fäden mit Königsberg heimlich zu halten.

Als die Franzosen den preußischen Bundesgenossen noch fest in der Hand zu haben gedachten, war der König, durch Hardenberg listig gewarnt und geschreckt, nach Breslau geflohen.

Da waren die Russen schon nahe, und der Reichsfreiherr vom Stein flog wie ein Geier herzu, den Zagenden zu packen; dem Freund und Berater des siegreichen Zaren konnte der König von Preußen nicht widerstehen: was York zu Tauroggen tat, wagte er selber, er gab dem Gesandten von Frankreich die Pässe und trat in das russische Bündnis.

So war es endlich geschehen, was hitzige Herzen lange ersehnten: der Tag der Erhebung war da und schwoll mit Sturmgewalt an; als der Zar selber in Breslau anlangte, als sich die Fürstengestalten dem wartenden Volk zeigten, dankte der Jubel der Menge den beiden.

Zwar hatte der Herr aller Reußen kürzlich erst so mit dem Korsen gestanden; aber die hinter dem höfischen Hergang den Willen des Reichsfreiherrn vom Stein erkannten, wußten genau: nun hatte der mächtige Mann über bänglichen Widerstand, über Kabalen und Interessen und über die Eitelkeit fürstlicher Schauspieler gesiegt.

Indessen die Fürsten mit ihren goldenen Litzen zur Schau standen, lag er in seiner Kammer, vom Fieber geschüttelt; aber die fiebernde Stirn des Reichsfreiherrn vom Stein behielt den eisernen Willen, und sein jagendes Herz blieb, was es war: das deutsche Gewissen.

Nie sollte wieder, so brannte sein Feuer, Deutschland der fürstlichen Willkür verfallen, nie sollte der Staatsbürger wieder ein Untertan werden; in freier Gemeinschaft sollten die Männer wieder ein Volk sein.

Das war die Flamme, die auf den Bergen rundum als Wachtfeuer brannte, das war der Wind, der aus den Herzen der Jugend die Flammen lohend anblies, das war der Blick, der aus den Augen der Männer in all die wehende Glut schaute.

So war es in Wahrheit ein Tag der Erhebung: das Vaterland hatte den Opferaltar vor seine neue Zukunft gestellt, und wer kein Hundsfott war, eilte herzu, Leben und Gut dem Altar zu bringen.

Die mit goldenen Litzen dastanden, wurden ängstlich darüber, daß die Befreiung zur Freiheit anschwellen möchte; aber der fiebernde Wille in seiner Kammer hatte sie kühn als Figuren in seine Rechnung gestellt, er hatte das Schicksal entfesselt, und Schicksal hieß seinem gläubigen Geist, im Schutz des Ewigen sein.