Die Landwehr
Der König hielt Soldaten in Sold, und der Untertan diente im Heer, wie ein Knecht sich verdingte; so holte der Spötter von Sanssouci sich seine Soldaten aus allen Winden zusammen, so lagen die preußischen Werber auf der Lauer mit ihrem Handgeld.
Es war aber ein Mann namens Scharnhorst, ein Bürgerssohn aus Hannover, im preußischen Heer durch tapfere Taten und kluge Lehren zu Rang und Geltung gekommen: der trug ein anderes Bild des Soldaten im Sinn, als daß er ein Söldner im Dienst einer Fürstlichkeit wäre.
Soldat sein hieß ihm, die Waffen des eigenen Volkes in Ehrenpflicht tragen, wie es in Urväterzeiten war, da die freie Gemeinde den Jüngling für wehrhaft erklärte, wenn er gesund, unbescholten und mit den Waffen geübt war.
Wie die Schule die Knaben, so rief das Heer die Söhne des Volkes auf in den Krieg – nur die Krüppel und Kranken blieben zu Haus – und wie die Schüler kamen und gingen nach ihrem Alter, so kamen und gingen die Söhne des Volkes, das Handwerk der Waffen zu üben.
Denn nicht mehr um Höfe und Fürsten zog der Soldat hinaus in den Kampf, nur für das Vaterland durfte sein Blut fließen.
So plante Scharnhorst, der Bürgerssohn aus Hannover, das Volksheer; und als der Reichsfreiherr vom Stein den Volksstaat zu bauen gedachte, als er den Untertan aufrief, Staatsbürger zu werden, war Scharnhorst sein Mann, dem Volksstaat das Volksheer zu schaffen.
Auch Scharnhorst waren Spione gesetzt, aber er wußte das Ziel seiner Pläne klug zu verhüllen; sie sahen die Krümper kommen und gehen und merkten nicht, wie er aus Krümpern die Landwehr und aus der Landwehr das preußische Volksheer machte.
Als aber York von Tauroggen kam und mit ihm Stein, der mächtige Mann, als sie zusammen in Königsberg saßen, war Scharnhorst der Dritte im Bund, der Erhebung die Waffenschmiede zu bauen.
Da wurden die Krümper zur Landwehr gerufen; und wie sie kamen mit Bärten und breiten Fäusten, wurde ein anderes Heer als vormals die Söldner: sie standen nicht gut zur Parade mit ihren Schirmmützen und konnten nicht nach dem Dessauermarsch den Stelzenschritt machen, aber sie wollten ihr Vaterland retten und freuten sich auf den Tag, da sie dem Übermut der Franzosen mit deutscher Münze heimzahlten.