Tauroggen
Eine Mühle liegt bei Tauroggen im litauischen Land; da wurde der Treubruch vollzogen, der die Erhebung des Deutschen gegen die fränkische Fremdherrschaft ansagte.
York, der stählerne Mann, hatte das preußische Korps von Riga zurück an den Niemen gebracht; Klinge an Klinge dem russischen Freund, Schulter an Schulter dem fränkischen Feind, blieb er zweideutig zögernd zurück, bis ihn die Russen bei Tauroggen stellten, dann tauschte er die Parole.
Er war Soldat und wußte, er brach seinem König den Eid, sein Kopf war verwirkt in Berlin; aber die preußische Sache wurde in Rußland geführt, und der Reichsfreiherr vom Stein, der Freund und Berater des Zaren, war ihr starker Verwalter.
Ein Jahr lang war der mächtige Mann in Preußen Minister gewesen, dann hatte der Korse den Todfeind erkannt und geächtet: aber sein Testament war die Saat in der preußischen Scholle geblieben.
Jetzt oder nie! so brach der Schrei aus den zornigen Herzen, jetzt oder nie mußte die Zwingherrschaft fallen, jetzt oder nie konnten die deutschen Völker die Freiheit erringen, gegen den fremden Tyrannen und gegen die Feigheit der eigenen Fürsten.
Die in Tauroggen den Treubruch vollzogen, waren Soldaten; sie dienten dem Zaren und dienten dem König von Preußen nach ihrem Eid, und einer war mutig genug, ihn zu brechen: aber sie standen im Schachbrett der Zeit nur als Figuren, geschoben nach einem größeren Plan und einem mächtigen Willen.