Die fahrenden Schüler

Wo eine Schule stand, liefen die Schüler zu, und wo eine Schule berühmt war, kamen sie viel; als Albert der Große in Köln lehrte, konnte die Stadt die Scharen der Scholaren kaum fassen.

Eine Burse hießen die Schüler das Haus, wo sie Unterkunft fanden; hunderte summten da ein und aus, und die mönchische Ordnung konnte die Zucht nicht mehr halten.

Sie waren weither gewandert und brachten in Kleidern und Sitten den Straßenstaub mit; unterschlüpfend in Klöstern und Pfarrhöfen, bettelnd bei Bürgern und Bauern tauchten sie ein in den unreinen Strom der fahrenden Leute.

Auch fanden viele das Ufer nicht mehr: ohne Hoffnung, je eine Pfründe zu finden, der Ordnung entwöhnt, dem Wein und der Straßenliebe verfallen, zogen die lärmenden Scharen durchs Land und suchten die Stadt heim, wenn der Winter die Wege verschneite.

Goliarden hießen sie dann und waren die Füchse der fahrenden Leute; wo der Bettel versagte und der Diebstahl gefährlich war, half ihre List, Speise und Trank zu gewinnen.

Sie hatten alle einmal die Messe bedient, das Mirakel war ihnen geläufig; sie wußten die Wundersucht höhnisch zu stillen und hielten sich selber zum Spott das Beispiel der Kirche vor Augen.

Sie waren die Schnapphähne des Zweifels und wußten den Unglauben am Bratspieß zu wenden; sie sangen dem fahrenden Volk lateinische Lieder, aber das Faß stand unter den Füßen Mariens, die himmlische Liebe verlief sich in irdische Löcher.

Der Kirche gefiel ihre freche Art nicht, sie kehrte mit scharfem Besen die Bursen und machte den fahrenden Schülern die Türen der Klöster und Pfarrhöfe zu: aber die Straßen waren zu weit, und zuviel Scheunen standen daran.

Sie blieben die Füchse des fahrenden Volkes und mischten ihr schwarzes Kleid in die scheckigen Lumpengewänder; sie hingen der geistlichen Würde den Straßenlehm an und waren dem Kirchenbetrieb ihrer Tage ein frech und verwegenes Schalkspiel.