Die Geusen

Wo das geteilte Gewässer des Rheins durch Sand und Sümpfe mühsam ins Meer sucht, von Friesland hinüber bis Flandern, hatten sich Friesen und Flamen ein breites Dasein gebaut, mit Häfen und Städten im Niederland, und wurden die lachenden Erben der Hansa.

Karl der kühne Burgunder hatte die Länder mit eisernen Fäusten gehalten und Max der Habsburger war nach der reichen Mitgift geritten; Karl seinem spanischen Enkel waren sie schon das Land seiner Herkunft; Philipp der Zweite ließ sie durch seine Schwester als spanisches Erbland regieren.

Aber das Niederland hing der calvinischen Lehre mit Eifer und Zuversicht an; als die spanische Hand durch strenge Edikte die Ketzer ausrotten wollte, schwuren die Edlen des Landes zu Breda den Bund, mit ihrem Blut dem schändlichen Brauch der Ketzergerichte zu trotzen.

Die Geusen hießen sie bald, weil sie als spöttisches Zeichen den Bettelsack trugen; noch brauchten sie keine Gewalt, aber das flämische Volk, zu trunkenen Taten geneigt, ließ seinen Zorn an den Bildern der Kirche wüst und lästerlich aus.

Den Aufruhr zu dämpfen, sandte der König den finsteren Alba ins Niederland; da mußten die Grafen Egmond und Hoorn zuerst auf den Block.

Sie kamen, den Herzog von Alba zu grüßen, und glaubten als Ritter des goldenen Vlieses vor Unbill geschützt zu sein; aber der Finstere fing sie mit lächelnder List: sie waren die Sprecher des Volkes gewesen und mußten den leichtgläubigen Mut unter dem Henkerbeil büßen.

Und Tausende folgten den edlen Herrn, der Blutrat des Herzogs kam über das Land, und die Wehklage wollte nicht enden; zum andernmal konnten die Hunde des Herrn das große Ketzergericht halten, wie es vorzeiten den Stedinger Bauern in Friesland geschah.

Aber das Leid hob aus der Tiefe des Volkes die rächende Hand: aus der Verborgenheit kamen und in die Verborgenheit schwanden die Geusen, dazwischen war eine kühne Tat und eine blutige Rache.

Sie trugen ihr graues Gewand und kamen auf flinken Schiffen; wo die spanische Hand schwach war, stach ihr Dolch zu, und wo sie stark wurde, verschwand er; sie waren die mutige Seele des Volkes, das sich aus weichlichem Wohlstand, durch Schande und Schrecken tollkühn erhob.

Noch war es kein Krieg, bis Wilhelm von Nassau, der schweigsame Oranier, wieder ins Land kam; klüger als seine Freunde Egmond und Hoorn, war er dem Herzog nicht leichtfertig ins Garn gegangen; nun brachte er Kriegsvolk, den Geusen zu helfen.

Die Geusen erkannten ihn gern; und ob das launische Glück im blutigen Schicksal hin- und herüber sprang, der Schatten des Herzogs wich langsam zurück, bis er verdrossen die Länder verließ.

Aber die spanische Hand blieb im Land, und Wilhelm der schweigsame Held wurde grau in den Schlachten; er kannte nicht Übermut und Verzagtheit, er war die stete Geduld und der unbeugsame Wille: als er im sechzehnten Jahr des nimmersatten Krieges durch Mörderhand fiel, waren Holland, Seeland, Utrecht und Friesland befreit.

Moritz, der Sohn des Oraniers, nahm das Schwert auf und wurde nicht matt; wie sein schweigender Vater ein Meister der Staatskunst, war er ein Meister des Krieges: gegen die spanische Übermacht hob er den Ruhm seiner Schlachten.

Als Philipp hinsiechte und starb, war die spanische Weltmacht verronnen mit all ihrem Gold aus der Neuen Welt, nur um die Länder der Maas ging immer noch Krieg, und wie eine Seuche fraß das Mordwerk der Geusen den spanischen Widerstand leer.

Kaum einer noch lebte von denen, die ihn begannen; und wie eine Sage erzählten die Greise von glücklichen Zeiten, da Frieden im Niederland war.

Im zweiundvierzigsten Jahr, daß Alba der finstere Herzog ins Niederland kam, sanken die spanischen Waffen; sie hielten Flandern und das brabantische Land, aber die sieben Provinzen nördlich der Maas hatten die Freiheit errungen.

Durch die spanische Hand ging dem Reich uraltes Stammland verloren: an der Mündung wie an den Quellen des Rheins saßen nun freie Völker, indessen die Fürstengeschlechter im Reich einander das Futter abfraßen.