Die spanische Hand

Maximilians einziger Sohn, Philipp der Schöne genannt, war spanischer König geworden: mit Karl, seinem bläßlichen Sohn, kam das Schlingseil der habsburgischen Hausmacht zurück und wollte das Abendland binden.

Als ob noch einmal die alte Kaisermacht wäre, trug der spanische Jüngling die Kronen Europas, eifrige Lobredner sangen den Ruhm seines Reiches, darin die Sonne nicht unterging.

Denn seiner Macht hatte der Westen das Wundertor aufgeschlossen: die alte Welt hatte die neue entdeckt, und Spanien münzte das Gold aus, das Columbus, der kühne Seefahrer, fand.

Das Märchen der indischen Goldländer trat in den spanischen Tag ein; unübersehbaren Reichtum brachten die Schiffe herüber, als Ferdinand Cortez mit seinen Soldaten ins Sonnenland Mexiko kam.

Wie Wölfe brachen die eisernen Männer des Abendlandes ein in das Weideland friedlicher Völker, das Goldfieber brannte die Herzen der Christenheit leer; Europa, das Raubtier, begann der Welt seine Krallen zu zeigen.

Aber die Kirche wußte die Krallen zu nützen, ihr wuchs aus dem Gold die spanische Hand, dem evangelischen Aufruhr der Völker den Nacken zu beugen.

Karl, der letzte Schirmherr der Kirche, entfachte noch einmal den Kampf um die Stärke, als sich der Papst dem König von Frankreich gegen den Kaiser verband; er ließ das Gelüst seiner Landsknechte gehen, und wie seit Geiserich nicht mehr, wurde die ewige Stadt gebrannt und geplündert.

Aber Philipp der Zweite, sein Sohn, war nur noch spanischer König, kein Schirmherr der Kirche, nur noch ihr grausam gehorsamer Diener; wo der spanische Hut kam, hatte das Gold der Neuen Welt auch die spanische Hand stark gemacht, im Dienste der Kirche zu reiten.