Calvin
Als Zwingli bei Kappel den Glaubenstod fand, Eidgenosse und Kriegsmann trotz seinem Predigerrock, führte in Genf schon Calvin, der fromme Franzose, sein strenges Kirchenregiment.
Er wollte die Christengemeinde wie Zwingli; Zucht und Eifer der Gläubigen sollten dem Staat das wahre Bürgertum bringen: der paulinische Glauben der ersten Christengemeinde zog das Jahrtausend der Papstherrlichkeit aus.
Alles, was in den kirchlichen Räumen und Bräuchen Erbschaft des Morgenlandes war, sollte dem Sinn der gläubigen Brüderschaft weichen, statt einem prunkvollen Tempel sollte die Kirche ein schmuckloses Gemeindehaus sein.
Sie tünchten die Wände weiß und räumten den Hochaltar aus; sie nahmen dem Chor den lateinischen Priestergesang fort und ließen die ganze Gemeinde das Kirchenlied singen; sie saßen beim Abendmahl fromm miteinander, dem leidenden Herrn zum Gedächtnis.
Sie nannten sich Reformierte und achteten streng, daß ihrer Christengemeinschaft nichts beigemischt sei, was nicht in der heiligen Schrift als Gottes Gebot stände.
So war es in Genf, in Zürich und Bern, in Basel und Straßburg; aber die Männer in Wittenberg blieben mit Eifer lutherisch; hatte der Meister mit großen Worten gepoltert, so zankten seine Gesellen.
Melanchthon in seinem ermatteten Alter wollte die Geister versöhnen, aber sie schalten ihn lau; als er dahinging in bitterer Klage über die geistliche Zanksucht, schied das Bekenntnis die Streitlager der Protestanten für immer.
Calvinisch hießen die einen, lutherisch die andern, und hätten sich eher Ketzer geschmäht, als daß sie die Bruderhand fanden.
Die aber im Gnadenbereich der römisch-katholischen Kirchengewalt blieben, hielten das dritte Konzil in Trient, Kirchenverderbnis und Ketzerei miteins auszurotten; und wie der Hund die verlaufene Herde umbellt, so kamen die Jünger Jesu ins Reich, den Streit nach ihrer Weise zu schlichten.