Loyola
Zur selben Zeit, da Luther der Mönch ein Junkergewand trug auf der Wartburg, lag ein spanischer Junker mit Namen Loyola an beiden Füßen verwundet und las die Legenda.
Er war ein tapferer Kriegsmann gewesen, nun sah er den Mut der heiligen Männer auf andere Dinge gewandt als Lanzenstechen und Schwerthieb; er wurde der irdischen Händel von Herzen satt und wollte wie jene ein Ritter der Jungfrau Maria heißen.
Als seine Füße geheilt waren, trug er die Waffen in mühsamer Wallfahrt zum Gnadenbild der göttlichen Frau; er aber ging in die Wildnis und wohnte den Heiligen gleich in einer Höhle, den Leib und die Seele in brünstiger Marter zu üben.
Und als er kein Junker mehr war, nur noch ein bärtiger Mönch, zog er als Pilgrim ins heilige Land; aber die Mönche des heiligen Landes schickten ihn heim als einen unnützen Schwärmer.
Daß er gelehrt sei zu reden wie sie, ging er in eine Schule und schämte sich nicht, mit seiner Einfalt unter den Knaben zu sitzen.
Er war schon grau an den Schläfen, als er zum andernmal auszog mit seiner Verzückung, dem spanischen Volk sein Erlebnis zu sagen; aber die Priester nannten den närrischen Ritter bald einen Ketzer und sperrten ihn ein.
So ließ er mit Grimm die spanische Heimat und zog nach Paris, an den Brüsten scholastischer Weisheit zu trinken.
Da blieb er lange und wurde Magister; aber nun fand er Genossen seiner Verzückung: Streiter Gottes wollten sie sein, ohne Waffen, nur mit der Kraft und Einfalt des gläubigen Geistes gerüstet und streng im Gehorsam.
So wurde der Orden Jesu gegründet; aus gläubiger Einfalt und hitzigem Eifer blühte die Rose von Jericho wieder: nicht das Gewissen mit seinen Schlupfwinkeln der Seele, der Geist des Gehorsams gegen die Kirchengebote allein sollte die Jünger verpflichten.
Da war den Männern in Wittenberg der Gegner gewachsen; gegen die Freiheit des Christenmenschen baute die Kirchenzucht ihre Schranken.
Alles zur größeren Ehre Gottes, stand auf den Fahnen, aber Gott war die Kirche; sie stellte dem Zweifel die Frage, ob er im Trotz seine eigene Seligkeit wagen oder im Glauben des kirchlichen Gnadenschoßes sicher sein wollte.
Seid klug wie die Schlangen und sanft wie die Tauben! sagte die Schrift; die dem Kriegsmann der Kirche nachfolgten, trugen den Stahl des biegsamen Wortes als Panzerhemd unter dem spanischen Priestergewand.
Sie gaben die große Verderbnis der Kirchenweltlichkeit zu, aber sie haderten nicht mit der Kirche um der menschlichen Schwäche im Priesterkleid willen; sie waren Ritter des Geistes und bauten dem Glauben kunstreiche Brücken zu einer anderen Kirche, die hinter dem Schein Wirklichkeit war.
Auch gingen sie nicht mit dem Bettelsack auf die Gassen; sie fanden die Türen der reichen Gemächer, darin die Landesgewalt auch nur ein Mensch war; sie schwiegen dem Volk, aber sie wußten den Fürsten geschickt von den Pflichten und Rechten der christlichen Herrschaft zu sprechen.
Sie kamen als Gärtner der Jugend: wo das Holz sich verjüngte und wo die Stämme noch schwank waren im Saft, setzten sie klug ihre Stäbe.
Der spanische Kaiser ging kläglich ins Kloster, weil seine Weltherrschaft wankte, sie aber kamen ins Reich mit ihren spanischen Hüten; und wo er mit all seinem Kriegsvolk nichts gegen den Brand der Ketzer vermochte, nahmen sie klug und behutsam das fürstliche Holz aus dem Feuer.