Die heilige Allianz
Das Blut der Völker hatte den Tag der Befreiung gebracht; aber die Fürsten, von ihrer Bedrängnis befreit, wußten den Völkern das Morgen- und Abendrot frech zu verstellen.
Nie sollte Deutschland wieder der fürstlichen Willkür verfallen, in freier Gemeinschaft sollten die Stämme ein Volk, die Länder ein Reich sein: so hatte der Reichsfreiherr vom Stein die Erhebung gewollt, so hatte sie Fichte mit glühenden Worten verkündigt, so hatten die Wachtfeuer von den Bergen geflammt.
Aber die Fürsten in Wien und ihre Minister brauchten das Feuer nicht mehr, sie bliesen es aus und dämpften die glühenden Kohlen; sie flickten das Bundesgebäude der Fürsten zusammen und stellten ihr Kerzenlicht auf, es zu erhellen.
Nur ein Staatenbund sollte das deutsche Vaterland werden; kein Reich, kein Kaiser, kein Kurfürst sollte die Fürstenherrlichkeit stören, kein Wappen und keine Fahne durften Sinnbilder der Einigkeit sein.
Daß nicht noch einmal ein Aufruhr die Staaten in Unordnung brächte, schlossen die Träger der Kronen den ewigen Bund, dazu der Zar aller Reußen mit eigener Hand die Worte aufsetzte.
Die heilige Allianz hießen sie selber das Bündnis, als ob die Gestirne des Himmels, durch einen Ausbruch der Hölle gestört, nun wieder, durch Gottes Gnaden mit fürstlicher Würde beschienen, die ewige Bahn fänden.
Da war die Freiheit auch nur ein Übel aus Frankreich; Freiheit, Verfassung und Vaterland, die Aufruhrgedanken der Zeit, hatten den Kampf gegen die heilige Herkunft verloren; und Hüter der heiligen Herkunft hießen die Fürsten.
So waren die Völker um ihre Hoffnung zwiefach betrogen: Staatsbürgerrecht und Verfassung, in fürstlicher Not mit fürstlichen Worten verheißen, folgten dem Korsen in die Verbannung; über dem Flickwerk des deutschen Bundes glänzten die Kronen und Krönchen der Fürsten, von der Gnadensonne der heiligen Allianz eifrig beschienen.