Die hundert Tage
Noch einmal mußten die Völker Europas marschieren, die Fürstenthrone zu schützen; schlechten Schauspielern gleich waren die feigen Bourbonen aus Frankreich hinaus gelacht worden: in seinen Tuilerien saß wieder der Kaiser.
Die Herren in Wien hatten ihm Elba gegeben, als ob der Weltbezwinger ein Auszügler wäre; sie hatten um seine Kleider mit gierigen Händen gewürfelt, nun schlug die gewaltige Faust in ihr klägliches Spiel.
Der Wolf war zurückgekehrt, und das Geißengeschlecht schrie nach dem Jäger; sie waren gekrönt an den Häuptern, aber keiner war Herrscher und Fürst wie der gewaltige Mann, der das klagende Kind Europa noch einmal auf seinen Stiernacken nahm.
Die Herzen der Völker erbebten bis in den Grund, weil nun die Macht wiederkam; sie hörten den eisernen Schritt gehen und sahen den Himmel von neuem gerötet.
Aber der eiserne Schritt und die Röte waren nur Untergang; die gewaltige Bahn war vollendet, der korsische Tag im Abendland wollte sein letztes Abendrot leuchten.
Wohl lief die Garde des Kaisers noch einmal dem Ruhm zu, die Fahne von Lodi wurde entrollt, und die Adler von Austerlitz stiegen: aber die Adern, einmal von Glück und glorreichen Taten geschwellt, waren entkräftet.
Um das Genie der korsischen Macht war der Zauber der Freiheit gewesen: der Zauber war fort und Frankreich war leer, wie das Abendland leer war; so konnten die Mächte der Herkunft den Zaubermeister besiegen.
Noch einmal gelang es dem Meister der Schlachten, die Preußen bei Ligny zu schlagen, und Blücher der greise Feldmarschall mußte sein Ungestüm büßen; aber die preußische Landwehr, durch Gneisenau trefflich geführt, vollbrachte das Wunder, am dritten Tag wieder im Feld, auf schlechten, verregneten Wegen bei Waterloo siegreich zu sein.
Von seinen Ministern verraten, verlassen von seinem Volk mußte der Kaiser zum andernmal in die Verbannung; aber nun sollte der Wolf nicht wieder den Geißen das Siegerglück stören.
Eine Insel im Weltmeer, tausend Meilen entfernt von seinen Taten, bewacht von englischen Schiffen, wurde dem letzten Kaiser der abendländischen Welt sein hartes Gefängnis, indessen die Fürsten zum andernmal kamen, den Jahrmarkt der Kronen und Krönchen zu feiern.