Die Kaiserwahl

Deutschland wollte ein Vaterland werden, weil es ein Volk war; aber der Habsburger Rest der alten Reichsherrlichkeit hing ihm das Schneckenhaus seiner undeutschen Völker an: Polen, Magyaren, Slovenen, Italiener, Tschechen, Ruthenen waren der Hofburg in Wien untertan.

Großes Schicksal hatte der Kaisergedanke über die Deutschen gebracht, und die alte Reichsherrlichkeit war der Traum der Romantik gewesen: nun die Männer in der Paulskirche das deutsche Haus bauen wollten, stand ihnen der Rest des Reiches im Wege.

Sie hatten an der Vielheit der Fürsten genug und waren keiner Vielheit der Völker bedürftig; von der Maas bis zur Memel, von der Etsch bis zum Belt waren sie im Namen der deutschen Stämme nach Frankfurt gekommen, die deutsche Einheit zu bauen.

Sie bauten am Dom der deutschen Verfassung, und als die Märztage jährten, war das Gewölbe geschlossen: ein Volks- und ein Staatenhaus sollten den deutschen Reichstag darstellen, ein Erbkaiser sollte der deutschen Einigkeit Schildhalter sein.

Die besten Männer des Volkes hatten das Werk mit dem unbeugsamen Mut ihrer Meinung vollendet, sie hatten gedacht und geglüht und gestritten, und niemals war deutscher Geist so tätig am Vaterland als in der Paulskirche zu Frankfurt.

Als dann die Kaiserwahl war, sprachen die Männer aus allen Gauen und Ständen echter und rechter die Stimme des Volkes, als je die Heerschilde taten; die stürmische Zeit hielt in der Paulskirche zu Frankfurt den Stundenschlag an, als die Gemeinde der Freien, uralte Herkunft erfüllend, sich selber zum Kurfürsten machte.

Sie wählten den König von Preußen als Kaiser; die Glocken begannen zu läuten wie nie, Böller und brausender Ruf in den Gassen verkündeten laut, daß endlich wieder ein Reich, daß über den Stämmen und Ständen, über den Fürsten und Ländern ein Schirmherr des deutschen Vaterlandes wäre.