Der König von Preußen

Aber der König von Preußen war weder ein Mann noch ein Mut, nur eine schweifende Rede, er haßte den Geist seiner Zeit und spielte mit Worten, deren Gedanken ihm mißfällig waren, deren Taten er niemals vermochte.

Als ihm die Männer aus Frankfurt die Gabe des deutschen Volkes darbrachten, schwoll seine romantische Seele im Rittersaal auf, wo er die Sendung mit großem Gefolge empfing.

Statt einem männlichen Ja gab er nur eine Rede, die keine Tür schloß und keinen Weg ging, die alle Herzen verdrießen mußte.

Nur aus den Händen der Fürsten, nicht aus dem Aufruhr der Völker – so ging der Sinn seiner Worte – könne der König von Preußen die Krone annehmen.

So kamen die Männer betrogen nach Frankfurt zurück, betrogen um ihre Sendung, betrogen um ihren Glauben, betrogen um Deutschlands Geschick.

Die Völker erkannten, daß ihre Fürsten kein Vaterland wollten; sie hatten Verfassung und Freiheit versprochen, nun war der Schrecken vorüber, und sie schickten die Kammern nach Haus.

Wollten die Fürsten kein Vaterland, so wollte das Volk keine Fürsten! wollte der König von Preußen die Krone nicht haben, so brauchte die deutsche Republik keinen Kaiser.

In Sachsen mußte der König zuerst auf den Königstein flüchten, bald fing es am Rhein, in der Pfalz, in Baden hell an zu brennen: das Heckerlied kam wieder auf, den fürstlichen Abschied zu singen.

Da zeigte der König von Preußen Deutschland sein wahres Gesicht: seine Soldaten marschierten nach Westen und Süden, den Fürsten zu helfen; das preußische Strafgericht kam, in Mannheim, Rastatt und Freiburg der Freiheit anders zu dienen.

Die Männer von Frankfurt verzagten und gingen nach Haus, nur eine tapfere Schar blieb auf dem sinkenden Schiff; Uhland der Dichter und deutsche Mann stand treu und gelassen am Steuer.

Sie konnten in Frankfurt nicht bleiben und flohen nach Stuttgart, wo ihnen ein Trommelwirbel die letzte Rede erstickte.

Der stolze Plan seines Domes wurde Uhland zerrissen; wohl standen die Türme und Wimperge der Fürsten und ihre Wimpel wehten daran, aber das hohe Gewölbe brach ein, in seinem Schutt lag die Fahne schwarz, rot und golden.