Olmütz
Bis an den Bodensee standen die Bataillone des Königs von Preußen, sie hatten den Fürsten die Throne gerettet und hielten ihr Strafgericht ab über die Völker.
Die Schwäche der Fürsten zu nützen, dachte der König von Preußen aus ihren Händen die Krone zu gewinnen, die er den Männern aus Frankfurt hochmütig zurück wies: ein Fürstenbund sollte das deutsche Vaterland werden, und Preußen wollte die Kaisermacht sein.
Aber in Frankfurt saß, fast vergessen, noch immer Johann, Erzherzog des Habsburger Hauses und immer noch Reichsverweser geheißen; er mußte der alten Zeit die Türspalte halten, bis die wachsamen Augen in Wien ihre Stunde erkannten.
Nur Bayern und Württemberg zögerten noch, dem preußischen Fürstenbund beizutreten; schon schien das klügliche Spiel des Königs von Preußen gewonnen, als Österreich selbstherrlich die alte Bundesgewalt nach Frankfurt berief.
Zwei Jahre lang hatten die Völker an ihren Ketten gerüttelt, sie hatten den Fürsten geglaubt und gezürnt, sie hatten die Glocken geläutet in Frankfurt, weil wieder ein Reich und ein Kaiser, weil wieder ein Vaterland war.
Nun war das Märzenglück aus; wieder wie einst kamen die hohen Gesandten nach Frankfurt gefahren, wieder wie einst war der deutsche Bund der Minister über den Völkern.
Wohl zuckte dem König von Preußen die Hand nach dem Schwert; noch einmal glaubten die Narren der Hoffnung, dann wurden alle gewahr, was für ein Irrlicht im Hause des Spötters von Sanssouci wohnte.
In Olmütz mußte der König von Preußen den Pakt unterschreiben, daß Habsburg noch immer der Hausherr im deutschen Bund war.
Über den Aufruhr und über die Wallung des Volkes zur Einheit hatte der fromme Geheimrat gesiegt; und als er in Wien sein Siegesfest gab, saß Metternich wieder auf seinem Stuhl, ein stocktauber Greis, und lächelte nur, daß eine neue Seite im Buch der Minister begänne.