Die Meistersinger

Aber die Straße wurde dem fahrenden Volk nur gestattet, Kaufleute kamen mit Wagen und reisigen Knechten, Ritter zogen zu Hof, und Fürsten zur Jagd mit lautem Gefolge.

Auch saßen zur Herberge abends die Zunftgesellen da, die auf der Wanderschaft waren, mit feierlich stolzen Gesichtern; sie hielten sich fern von dem fahrenden Volk und hatten die eigenen Lieder.

Die Singschulen der Zünfte lehrten die Ehrbarkeit loben; und wie die Höfe den Minnesang, so pflegten die Meister das Preislied des ehrsamen Handwerks.

Denn die Zucht war das Schrittmaß der Zunft, wie das Springseil der fahrenden Leute die Lust war.

Sie hielt dem edlen Gesang peinlich das Tönegericht, sie lehrte die Worte im Reim künstlich verschlingen, sie stimmte die Laute, daß sie bescheiden im Mittelmaß blieb, und hieß das Gefühl in der Ehrbarkeit bleiben.

Gesellen- und Meisterstück gab sie zu singen, und über der Zunftlade standen die Regeln geschrieben, mit denen Frau Musika Hausordnung hielt.

So war die Singkunst im Rahmen rühmlicher Künste zünftig geehrt und im Richtspruch der Meister peinlich geordnet.

Aber das Lied stieg in den Tag wie die Lerche, es lachte der lehrsamen Meister und lachte der täglichen Tugend.

Mit feierlich stolzen Gesichtern sangen die Zunftgesellen der Herberge ihren Preisgesang vor, indessen die Burschen und Mädchen in Reihen verschränkt singend den Abend abgingen und in den Büschen der fahrenden Leute die Nachtigall lockte.