Die Pompadour
Die zierliche Frau eines Zöllners hatte den König von Frankreich gefangen, wie ihn die Hofdamen fingen; als seine Gier ihres Leibes satt war, ließ sie den König getrost seinen weiteren Lüsten, aber den Hof und die Macht ihrer Stellung behielt sie klug in der Hand, sodaß sie die heimliche Königin wurde.
Sie hieß nun Marquise von Pompadour, und die Großen der Welt mußten nach ihrer Gunst gehen, die eine geborene Fisch und eine Zöllnersfrau war.
Denn anders als sonst eine Königin war diese zierliche Frau; sie kannte die wirklichen Mächte der Welt und wußte, daß Macht haben allein ihr kluger Gebrauch sei.
In dieser Klugheit wußte sie trefflich die Fäden zu flechten; und weil der König von Frankreich ein blödes Tier, sie aber ein handfestes Weibsbild war, so hielt sie das Land vor böseren Dingen bewahrt.
Auch stand ihr zierliches Bild gut in dem Rahmen, den ihr die Kunst der galanten Zeit gab; denn nun war der höfische Prunk zum köstlichen Zierat geworden, den sie das Rokoko hießen.
Der Altsilberglanz chinesischer Seiden, die zärtliche Kühle des Porzellans, die launischen Formen und Farben der Teller und Kannen waren im Abendland Mode geworden, darin es fremd gespiegelt ein neues Gesicht fand.
Die gläsernen Leuchter weißgoldener Säle ließen auf blumigen Seidengewändern kristallisches Licht spielen; Stühle und Tische standen mit zierlich gebogenen Beinen auf blankem Parkett; Rahmen von Altgold hielten gleich Ranken die Ränder verschnörkelter Spiegel; auf dem Marmorkamin blinkten die Silberfiguren der Standuhr.
Alles war hell und kühl wie ein Frühlingstag, darin die Damen auf Stöckelschuhen spazierten; alles war leicht und verschnörkelt wie die Scherze, damit die spitzengeschmückten Herren die Herzen der Damen gewannen.
So war die Welt, darin die Marquise von Pompadour Königin spielte; so war der Traum von Versailles, darin der Adel des Abendlands leichtsinnig lebte; so war der Hof, darin der König faul und verachtet sein Dasein hinbrachte.
Als die Pompadour starb und die rote Dubarry dem alternden König ins Bett kam – die eine Dirne war und eine Gräfin wurde – brach der Untergrund all dieser Zierlichkeit durch: das Laster legte die Maske der Wohlerzogenheit ab und war nur noch freche Gemeinheit.
Das war die Zeit, da der Neffe des Menschenverächters in Sanssouci sein verächtlicher Nachfolger wurde, da die Fürsten in Deutschland sich eine Pompadour hielten, da die adligen Herren auf Kosten der Bürger und Bauern einen fröhlichen Himmel auf Erden genossen.
Aber schon blies der kalte Wind in die fröhlichen Lichter; als Ludwig der Fünfzehnte in seinen Lüsten verdarb und Ludwig der Sechzehnte den Namen des Königs von Frankreich wieder ehrlich machen wollte, war es zu spät für den redlichen Eifer.