Die Räuber

Indessen Goethe den Griechen zuneigte und seiner eigenen Jugend fast feind war, stand seinen vergessenen Tagen ein flackerndes Spiegelbild auf.

Ein schwäbischer Jüngling, Friedrich Schiller geheißen, schrieb auf der Schule des Herzogs in Stuttgart ein Stück für das Theater, darin der Raubritter Götz ein Räuberhauptmann geworden, darin die Freiheit ein düsterer Feuerschein war.

Das uralte Stück des verlorenen Sohnes wurde in neuen Gewändern gespielt, aber kein gütiges Vaterherz lief dem Verlorenen zu: im finsteren Turm klagte ein Greis, indessen der schurkische Bruder die Braut und das erschlichene Erbteil genoß.

Denn so war die Welt in den neuen Gewändern geworden; die Schurken saßen an goldenen Tafeln, aber die Edlen, in ihrer Einfalt betrogen, sagten der schurkischen Ordnung ihr Räuberrecht an.

Als sie das Stück zum erstenmal spielten in Mannheim, hatten vorsichtige Hände seinen Brand erst gelöscht, aber der wilde Jubel der Jugend blies in die Glut, bis sie himmelhoch flammte.

Da legten die Jünglinge trotzig das Wertherkleid ab und zogen ein Räuberwams an; die an der Empfindsamkeit krank waren, lachten sich höhnisch gesund, sie ließen die seufzende Wollust den Töchtern und fuhren mit Frechheit und Flüchen zur Hölle.

Der aber solchen Aufruhr der Jugend entzückte, war ein bläßlicher Medicus beim Regiment; er konnte nur heimlich nach Mannheim fahren, und als er nach Stuttgart zurück kam, warf ihm der Herzog sein Dichterglück vor die Hunde.

Der Medicus Schiller hatte den Fluch der Freiheit geschworen; Tod den Tyrannen war seine Losung; und mußte die Tage in knirschender Demut hinbringen, bis er das Land des Herzogs heimlich verließ.

Anders als Goethe der Flüchtling nach Rom, kam Schiller der Flüchtling nach Mannheim: krank an der Brust, von Sorgen und Schulden gehetzt; gütige Freunde mußten ihm helfen, daß er die bitteren Jahre durchhielt, bevor ihm endlich in Weimar das Leben günstiger aufging.