Die Völkerschlacht
Schlimmes hatten die Völker ertragen, und Krieg war gewesen seit Menschengedenken, auf allen Straßen Europas waren die Heere des Korsen marschiert, in vielen Hauptstädten hatten die Hörner den siegreichen Einzug geblasen: nun ballte der Krieg sich zusammen, einmal ein Ende zu haben.
In Sachsen hatte die Meute das korsische Raubwild gestellt, noch schlugen die Tatzen gewaltig, aber schon schweißte die Spur, als es bei Leipzig sein letztes Versteck nahm.
Von Norden, Süden und Osten bedrängten die Heere das Lager, darin der Meister des Schlachtfeldes stand, bereit, seine Gegner zu packen.
Solange die neue Welt war, hatte die Menschheit solche Schlacht nicht gesehen, fünfhunderttausend Soldaten brachten ihr Leben, zweitausend Kanonen brüllten hinein, meilenweit brannten die Dörfer, meilenweit wurden die Felder zerstampft, bis in die brütende Ferne brauste die Erde.
Macht wollte der Macht die Wurzeln ausreißen, aber die Wurzeln hingen im Blut lebendigen Daseins: mehr Leichen lagen um Leipzig, als in der erschrockenen Stadt Einwohner waren, und das Blut der Erschlagenen färbte die sumpfige Pleiße.
Drei Tage lang liefen die Heere an, drei Tage lang spannte der Ring seine gewaltigen Kräfte, bis es am dritten Abend gelang, den Höllenschlund zu umfassen.
Eine Mühle stand auf dem Hügel hinter Probstheida: da saß zur Nacht bei dem flackernden Feuer ein Mann auf dem Feldstuhl, der einmal der Herrscher des Abendlandes war.
Er hatte die Fürsten Europas bezwungen und ihre Throne verschenkt und hatte die Völker mißachtet; er war aus dem Aufruhr der Freiheit gestiegen und hatte die Macht aufgerichtet, nun kam die Freiheit zurück und stürzte ihn selbst als Tyrannen.
Denn die auf dem anderen Hügel jenseits Probstheida am Nachmittag standen, hoch zu Roß und im blinkenden Kreis ihrer Gefolge, die Fürsten von Rußland, Österreich und Preußen, waren nicht seine Besieger.
Sieger war der mächtige Mann, der den Willen des deutschen Volkes entflammte zu einer neuen Reichsherrlichkeit, auf den Staatsbürgerwillen des freien Mannes, nicht auf die Willkür der Fürsten gebaut.
Nicht darum war es die Völkerschlacht, weil vielerlei Völker dem Fürstengebot folgten: die Völker selber rangen darin um Befreiung von einem und vielen Tyrannen.
Als der vierte Morgen aufging über dem brennenden Schlachtfeld von Leipzig, war das Große getan: die Völker hatten die korsische Schwertmacht zerschlagen, der Zwingherr der Macht mußte fliehen, und brausend scholl hinter ihm her der Sturmschritt kommender Freiheit.