Freya und Fro

Freya und Fro hießen die friedlichen Kinder der Vanen, Heilzeugen himmlischer Herkunft, vergeiselt den schuldvollen Asen: ihr Teil war die fruchtbare Fülle der Felder im hellichten Segen der Sonne.

Auf einem Eber ritt er durchs Korn, Fro, der freudige Jüngling; es dunkelte nicht um sein goldborstiges Tier, so hell lag um die glückhaften Läufe das Licht seiner frohen Erscheinung.

Nicht Waffengeklirr war um ihn und nicht der Kampfruf der Krieger: der Karst war geweiht und die Kelter gesegnet, wo seine Sonnenglanzfährte die Erde bestrich.

Glück war die Gabe, und fröhliche Feier die Gunst seiner göttlichen Einkehr, wenn er aus Alfheim niederkam zu den Menschen, wenn ihn Gesang der harrenden Herzen empfing, auf blumenbestreuten Wegen, mit Kränzen und dankreichem Opfer.

Huldreicher aber als Fro war Freya die Schwester, holder als alle Erscheinung; ihre Gunst hob Göttern und Menschen das Herz in die Sonne.

Keinem der Asen hielt sie als Gattin die Kammern in Zucht, keine dienende Pflicht zwang die rosigen Finger an Kunkel und Kumme: strahlengekrönt von der Sonne ging ihre Schönheit auf in den Tag, ruhte am Mittag im Glück ihrer selbst und sank mit der Pracht ihrer Glieder hin in den glühenden Abend.

Dann hielten sich Himmel und Erde verzückt in den Armen, und die Wolken glühten vom Schaum ihrer rosigen Brust, daran der Schmuck Brisingamen hing, das köstlichste Kleinod der Welt.

Das gläubige Glück der Morgenröte galt ihr und die rauschgoldene Glut des Abends: Mond und Sterne tranken das Licht ihrer Liebe und trugen es glückselig hin durch das schwarze Geheimnis der Nacht.

So hielten die Vanengeschwister den Glanz uralten Glücks in den Gärten der Götter; sie waren den Asen vergeiselt im schuldvollen Kampf um das Gold und blieben dem Himmelsgott eigen im Licht ihrer schuldlosen Tage.