Frigga
Die aber Seine Geliebte war, die ewige Mutter des Lebens, sie war die Gattin Wodans geworden und die spinnende Hausfrau in Asgard.
Sie saß am Wocken und spann dem Dasein das wärmende Kleid; sie trug die Schlüssel am Gürtel und teilte mit Wodan den goldenen Hochsitz, wenn er als sorgender Hausvater Umschau hielt über den Kreis seiner Gewalt.
Darum war ihr die Spindel geweiht, und am Himmel stand ihr Wocken den Menschen als köstliches Sternbild, daß Ordnung und Fleiß im Reich der Götter die segnende Hausmutter hätten.
Auch kam sie gern auf die Erde zurück, hielt in Bergen, Brunnen und Waldgewässern heimliche Wohnung, die Keime des irdischen Lebens zu pflegen, und hatte den Kinderbrunnen in Hut als ihr liebstes Geheimnis.
In den zwölf Nächten aber des innersten Winters, wenn Wodan seine Sturmfahrten tat, über Berge und Bäume, über Dächer und Dumpfheit der Menschenwelt hin, fuhr Frigga mit ihm als brünstige Windsbraut.
Und hatte die Holden mit sich, die Seelen der Toten, die aus dem Dunkel der Tiefe aufstiegen und hinter ihr her als wütende Jagd die zwölf Nächte durchstürmten.
Denn Urmutter war sie der Tiefe, daraus alles Leben kam im Geheimnis seiner Geburt und dahinein alles wieder versank im Geheimnis des Todes: aus dem Dunkel zu flattern für eine flüchtige Stunde und wieder zu warten im Schoß der ewigen Zeugung.