Konradin

Die letzte Fackel der Staufer sank jäh in die Nacht, als Manfred, der Bastard des Sizilianers, gegen Karl von Anjou in Sizilien Land und Leben verlor; aber ein Irrlicht hob sich in Deutschland, noch einmal den Weg der Fackel zu flattern.

Konradin hießen sie ihn, den letzten Erben der Staufer, und er war noch ein Knabe, als ihn die Sendlinge nach Sizilien riefen, Karl von Anjou, dem Franzosen, das normännische Reich zu bestreiten.

Ein Knabe hob seine Augen auf zu den Taten der Väter: wo sie mit gewaltigem Kriegsvolk zogen, kam die ärmliche Schar seiner Ritter.

Tollkühn und töricht war der Plan, abenteuerlich seine Gestaltung; aber das gleißende Glück rollte dem Knaben die bunte Kugel vorauf, und mancherlei Volk lief ihm zu im toskanischen Land.

Als er nach Rom kam, fiel ihm ein flüchtiger Glanz auf die fiebrige Stirn: Frauen und Männer führten den Knaben aufs Kapitol, blumengeschmückt, und die Straßen prahlten mit Fahnen, als ob er den Sieg und der staufischen Macht die Wiederkunft brächte.

Als aber der Tag kam, da die Haufen sich maßen, hob das staufische Ungestüm wohl den Feind aus dem Sattel, schon stürmten die Ritter dem Fußvolk voraus zur Verfolgung: doch war die Flucht eine List: aus dem Hinterhalt brachen die feindlichen Reiter und gewannen leichtlich das Treffen.

Friedrich von Baden, der treue Freund, brachte den Knaben nach Rom und gedachte, ein Schiff für die Flucht zu gewinnen; aber ein Ring, den sie gaben, verriet die staufische Herkunft dem Frangipani, der die Flüchtlinge fing und seinen Fang Karl von Anjou kostbar verkaufte.

Auf dem Markt von Neapel mußten die beiden den schimpflichen Henkertod leiden, da beugte der Knabe den Nacken, und das Volk kam zu weinen, da floß das Blut leer, das der staufischen Träume noch einmal voll war.

So ging das Irrlicht von Schwaben aus im normännischen Land, wo die Fackel längst schon erlosch: das Abenteuer der staufischen Weltherrenträume fand in der flackernden Fahrt des Knaben sein klägliches Sinnbild.