Der Sizilianer
Als Heinrich der Sechste gestorben war, fern und fremd wie er lebte, war Friedrich, der Sohn der Konstanze, ein Kind.
Den Staufern die Macht in Deutschland zu halten, nahm Philipp von Schwaben, der Sohn Barbarossas, die Krone; aber der Bischof von Köln krönte den Sohn des welfischen Löwen.
So standen die Söhne im Haß ihrer Väter, und der Papst schürte den Brand: hie Waibling, hie Welf! wurde der Wahlspruch der Großen; hie Welf, hie Waibling der Schlachtruf der Ritter, die über das Reich den neuen Bürgerkrieg brachten.
Da wuchs die Saat der staufischen Weltherrscherträume üppig und geil ins Kraut, da war von der goldenen Ernte allein das Unkraut geblieben, indessen der Papst Innocenz den Weizen der Kirche in vollen Scheuern einbrachte.
Otto dem Welfen lachte das Glück, als Philipp von Schwaben durch Otto von Wittelsbachs Mörderhand fiel; aber indessen war Friedrich der Sohn der Konstanze mündig geworden, und päpstlicher Eifer sandte den Großen und Grafen im Reich den sizilianischen Knaben als König.
Den Pfaffenkaiser hießen sie ihn, der als Friedrich der Zweite in Aachen die Krone der Deutschen aufsetzte; aber der eigene Sendling des Papstes wurde die Brut, die zu verderben danach die Kirche den Zorn des Himmels mit allen Zungen herabschrie.
Innocenz selber war Vormund des Knaben gewesen, der machtherrliche Papst, der die Kronen Europas verschenkte; aber der Schüler lernte das Schachspiel der Kirche, dem Schwert mit List zu begegnen; er war ihr eifrigster Lehrling und wurde ihr Meister.
Als es zum andernmal hieß: hie Kaiser, hie Kirche! war der Kaiser die List, und der Papst stand im Zorn, dem spöttischen Spieler mit Fluch und Verdammnis das Brett zu verwirren.
Aber der Sizilianer gab lachend die Ewigkeit hin, die Gegenwart zu behalten; und höher als jemals ein Herrscher hob er sein spöttisches Haupt in die Räume, wo der Menschengeist Gott in den Grenzen des irdischen Daseins verleugnet.
Der sich als Fürst in Palermo die sarazenische Leibwache hielt, der mit arabischen Weisen das Rätsel des Lebens befragte und im Prunk des Morgendlands wohnte, trug die Krone der Christenheit nur um die Macht und den Glanz ihrer Herrscherfülle.
Das Reich der Deutschen gab er danach dem Sohn zu regieren, der in den Ränken der Großen ein törichter Knabe und seinem Vater ein kläglicher Nachahmer war.
Der Kaiser der Christenheit saß in Palermo; er kam nur ins Reich, wie ein Kaufherr nach seinen Schafen sieht.
Sechs Kronen trug sein spöttisches Haupt; er war dem normännischen Staat ein König, mächtig und klug wie keiner, aber das Reich lag im Schatten: Fremdherrschaft war die staufische Macht dem Volk der Deutschen geworden.
Als er starb, der Sizilianer aus dem Geschlecht der Staufer, das der zornige Papst ein Otterngezücht nannte, da rollten die Kronen hin, da blieb von der Kaisermacht nur noch ein römischer Schatten, da rissen die Raben das Reich auseinander, da wurden die Ritter Herren der Straße und ihre Knechte die Plage des Bürgers.