Luise

Eine Prinzessin aus Mecklenburg wurde in Preußen Königin; ein Kind fast noch, als sie im Brautwagen kam, und eine junge Mutter, als sie nach harmlosen Jahren harmvoll dahin ging.

Goethe hatte an ihre Jugend gerührt, Anmut und Frohsinn waren um ihre Tage gewesen, da sie in Paretz die liebliche Gutsherrin spielte, bis ihr der Sturmwind das Kartenhaus umblies.

Da mußte die Gutsherrin Königin werden, und alle Schmach, die auf Preußen fiel, legte Herzeleid über die Frau, die so stolz wie schön und so stark wie anmutig war.

Eine böse Winterfahrt war es nach Königsberg von Berlin, und die flinken Husaren ritten den Wagen des flüchtenden Hofes dicht auf der Spur; in Memel erst, wo die russischen Weiten sie schützten, konnten sie bleiben und warten, was dem preußischen Land und seinem König von dem Korsen geschähe.

Die Königin haßte den Sohn der Hölle wie eine Kröte, die ihr das Sonntagsglück störte, und mußte ihm doch die zitternde Hand geben, als ihre Anmut Napoleon dargereicht wurde, seinen harten Sinn zu erweichen.

Die kalten Stunden in Königsberg konnte ihr Stolz nicht mehr vergessen; viele Feinde hatte der Korse im Abendland, aber kein Haß zog ihre Herzen so an wie die preußische Königin: so kam es, daß Preußen zum andernmal den deutschen Geist zu erheben vermochte.

Der Spötter von Sanssouci hatte den Jubel von Roßbach geweckt und hatte den Staat der preußischen Pflicht gegen die Habsburger Hofburg gerichtet; Dünkel und Leichtfertigkeit hatten die Erbschaft verschleudert, und ein dürftiger König hatte sich seines Ruhmes vermessen: nun war eine Frau in das Leid und das Frühlicht der jungen Erhebung gestellt.

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hatte die Stimme in Frankreich gerufen, die Herzen der Völker hatten sie jubelnd vernommen: aber Napoleon hielt im Namen der Freiheit die Ernte und war ihr zum Hohn ein Sohn der Gewalt.

Eine andere Freiheit lehrte in Königsberg Immanuel Kant und band die Willkür in Pflicht: so wurde dem Korsen eine reinere Feindschaft bereitet als die der Junker und Pfaffen, und ihre Priesterin wollte die preußische Königin sein.