Mathilde

Heinrich der Finkler hatte der Kirche gespottet, weil er als Herzog von Sachsen, nicht als Lehnsmann der fränkischen Priester König der Deutschen sein wollte; aber Mathilde, die Königin, diente der Kirche mit Eifer.

Sie war eine Sächsin aus edlem Geschlecht, Widukund selber hieß ihrer Sippe der ruhmreiche Ahnherr; aber sie war eine Christin, wie der Sänger des Heliand Sachse und Christ war.

Nicht einem Himmel der Priester mit blasser Weltflucht zu dienen, war ihre Frommheit: Frau und Mutter blieb sie und sparsame Beschließerin ihres Hauses, bis Heinrich der Finkler, gesättigt seines reisigen Lebens, in Memleben starb.

Dann freilich ging sie ins Kloster, doch nicht um zu büßen und bang ihr Seelenheil zu besorgen: trauernd um ihren Gatten blieb sie die sorgende Mutter des sächsischen Landes.

Sie sah die harte Herrengewalt und wie das niedere Volk seufzte, sie sah die Roheit der Sitten und wie die ruchlosen Händel der Grafen die Höfe der Bauern verbrannten, sie sah die Bischöfe selber das wilde Waffenwerk tun: sie aber wollte dem Evangelium demütig dienen.

Sie baute Klöster rund um die sächsische Burg, sie legte den Teppich der Heiligen aus und trug das Kreuz in die Hütten: sie gab der kirchlichen Sendung in Sachsen die Einfalt und Stärke der ersten Christengemeinde.

Heinrich der Finkler baute das Haus, darin die sächsische Kaisermacht wohnte; sie gab ihm die Sitten.