Maximilian

Es war ein Bischof und Kurfürst in Mainz, Berthold der weise und strenge; der wollte als Kanzler ein anderes Reich, denn daß die Willkür im Namen des Kaisers regierte.

Gesetz und Verantwortung sollten das Reich mit dem Kaiser verbinden; Fürsten und Stände sollten nicht länger im blutigen Streit ihrer Machthändel bleiben; der Kaiser sollte Verweser der Reichsmacht, nicht mehr die oberste Willkür sein.

Max aber der Kaiser, der letzte Ritter genannt, ritt in das Frührot der Zeit mit güldenem Panzer und glühender Tartsche, als ob der staufische Kyffhäusertraum noch einmal Wirklichkeit wäre.

Er hatte Marie, die Tochter des kühnen Burgunders gefreit und war nach der reichen Erbschaft in Flandern geritten; er hatte dem König von Frankreich Streit angesagt wie ein Turnier und hatte die spanische Krone gewonnen.

Das Abenteuer war seine Lust, über der Lust aber stand als sein Stern die Habsburger Hausmacht; der Reichtum der Stände und Städte im Reich sollte ihm seine Ritter bezahlen, die fürstlichen Herren sollten Vollstrecker und Zierat ungehinderter Kaisergewalt sein.

Berthold der Kurfürst war stolz und beständig und Max der Kaiser ein launischer Herr, sein Kyffhäusertraum war durch den Kanzler gehindert: in Lindau und Worms auf dem Reichstag standen die Fürsten, Stände und Städte hart gegen ihn.

Aber sein Habsburger Hochmut beugte sich nicht, mehr als die Wohlfahrt des Reiches galt ihm die eigene Hausmacht; kaum daß er den pfälzischen Feldzug gewann, wies er den Ständen sein Siegesrecht vor: als Berthold, der strengweise, starb, hatte der Kanzler sein Spiel gegen den selbstherrlichen Kaiser verloren.

Über dem Reich lagen die Schatten kommenden Unheils, der Bauer stand auf und die Bürgerschaft grollte: im güldenen Panzer mit glühender Tartsche ritt Max, der Kaiser, ins Frührot der Zeit, als ob der staufische Kyffhäusertraum noch einmal Wirklichkeit wäre.

Die Humanisten hießen ihn Freund, und die Fahrenden lobten ihn laut, weil ihn die Unrast plagte wie sie und weil er, seinem böhmischen Vater ungleich, die Schäbigkeit haßte.

Von Flandern bis Rom, von Wien nach Burgund staubten die Straßen von seinen Fahrten, und wo sein Rittertum galt, füllte der Dampf seiner Rosse die Gassen; das Gold lag nicht locker in seinen Händen, aber reich wurden die Ehren gegeben, wie er sich selber zu ehren verstand.

Den Theuerdank hieß er die Ruhmrede eigener Taten, prächtig gedruckt und mit prahlenden Bildern geziert; da war das ringende Leben der Völker nur eine Bühne, darüber der Kaiser sein wieherndes Roß ritt.