Metz

Auf einer Insel der Mosel, durch waldige Hügel gedeckt, von einem Stachelring starker Vorwerke umschlossen, lag Metz, die mächtigste Festung der Welt, dem Einmarsch nach Frankreich zu wehren.

Hier sollte der Feldzug des Kaisers nach Mainz und Preußen beginnen, aber die Sieger von Spichern und Wörth nahmen ihn gleich in die Zange; auch die stolze Rheinarmee fand den geträumten Siegesweg nicht, und der Marschall Bazaine nahm dem erschrockenen Kaiser den Oberbefehl ab.

Der Marschall wollte zurück, Mac Mahon zu finden, aber er säumte zu lange; bevor sein Abmarsch begann, standen die Preußen vor Metz, und das blutige Sechstagewerk fing an, sein Heer zu zermalmen.

Sechs Tage lang riefen die großen Kanonen der Festung zum Tanz, sechs Tage lang brüllte die Schlacht ihre Antwort, sechs Tage lang bebte die Erde, sechs Tage lang waren die Hügel um Metz eine Hölle.

Nie hatte die Welt solches Schlachtfeld gesehen, Jena und Austerlitz, Leipzig und Waterloo, Königgrätz: alles versank vor der Wirklichkeit solcher Vernichtung.

Stirn an Stirn standen die Heere am ersten Tag und maßen die Stärke; am zweiten Tag setzten die Preußen im Süden die Zange; am dritten Tag wollte Bazaine den Abmarsch erzwingen, aber der Feind hielt ihn fest in der Flanke; am vierten Tag grub er sich ein, das Antlitz nach Westen; am fünften Tag hielt ihn der eiserne Griff von Süden und Norden umklammert, bis in die Nacht ging der Kampf; am sechsten Tag saß sein mächtiges Heer in der Festung, und die Festung saß in der Zange.

Mehr Tote als sonst ein Kriegsjahr hatten die Tage gekostet, die Wälder und Wiesen, Brücken und Bäche um Metz lagen voll Leichen, die Dörfer brannten, die Sonne konnte nicht mehr durch den Pulverdampf scheinen.

Da kämpften nicht Feldherrn und Heere um ihren Sieg, da rangen zwei Völker um ihre Stärke: Frankreich und Deutschland trugen den Streit, den Zorn und die Vergeltung aus von einem halben Jahrtausend.