Napoleon
Wie Samuel der Priester vor Saul, zog einmal Stephan der Papst hinaus ins gallische Land, Pipin, den fränkischen König, zu salben.
Der Pontifex maximus suchte das nordische Schwert; und als der gewaltige Sohn des fränkischen Königs nach Rom in die Christmesse kam, grüßte die Priesterklugheit Carolus Augustus, den römischen Cäsar, weil ihm das Abendland untertan war.
Der König der Deutschen war Kaiser jahrtausendlang, der Turm des Reiches stand über den Dächern der Staaten, und über den Fahnen der Völker wehte die Kaiserstandarte.
Aber die Habsburger stellten die Kaiserstandarte auf ihre Hofburg in Wien, die Habsucht der Fürsten und Herren fraß das Reich leer, bis ihm der Schwur von Loreto den Untergang brachte.
Als der große Krieg aus war im Frieden zu Münster, herrschte Ludwig der Vierzehnte, Habsburg zum Hohn und dem Reich zum Raub, über das Abendland: nun aber kam der Sohn der Gewalt und wurde in Wahrheit Kaiser.
Als er sich selber in Frankreich die Krone aufsetzte, der kühner als Cäsar und stärker als Karl war, kam der Papst demütig aus Rom, ihn als Kaiser zu salben.
Zum letztenmal glühte der Bogen, den Kaiser und Kirche über das Abendland spannten, aber der Sohn der Gewalt hielt seine feurige Pracht allein in der Hand.
Er machte die Fürsten zu seinen Vasallen, und als er in Erfurt sein Maifeld abhielt, mußten die Könige von Gottes Gnaden demütig erscheinen, sich ihrem Kaiser zu beugen.
Er nahm auch der Kirche die weltliche Macht aus den Händen und hieß die Bischöfe wieder die geistlichen Hirten der Gläubigen sein: so wurde der Bogen zerbrochen, den Kaiser und Kirche ein Jahrtausend lang über das Abendland spannten; so fing die neue Zeit an.