Sand
Bei dem Feuerstoß auf der Wartburg stand ein Student namens Sand heller im Feuer als seine Genossen; er hatte dem Tag die Festschrift geschrieben und fühlte sein Leben als Priester der Freiheit geweiht.
Anders als nur mit Worten wollte sein Schwärmersinn wirken: einen Dolch und ein Schwert schliff er scharf, mit einer Opfertat sein Leben dem Vaterlande darzubringen.
Einen der vielen Verräter der Freiheit sollte sein Dolch treffen; und als er zu suchen ausging, fand seine Verachtung keinen, der so erbärmlich wie Kotzebue war.
Mit seinen kläglichen Stücken auf allen Theatern gespielt, mit Orden und Ehren der Fürsten befrachtet, als deutscher Spion von den Russen bezahlt, lebte er recht als die Laus im Pelz der heiligen Allianz sein verächtliches Leben; an ihm die geschmähte Freiheit zu rächen, zog Sand zum Meuchelmord aus.
Von Jena bis Mannheim mußte er manchen Tag wandern, aber kein Pilger war je mit größerer Inbrunst die Wallfahrt gegangen, als er durch den schwellenden Frühling dahin ging.
Mitten ins Herz stieß er dem kläglichen Mann seinen Dolch und lief auf die Straße hinaus, die Tat zu bekennen, kniete noch zum Gebet, und grub das Schwert in die Brust.
Wohl traf er das eigene Herz schlecht und mußte ein langes Jahr leiden, bevor ihn der Henker erlöste; aber die Seele des Jünglings blieb standhaft und lächelte nur, wenn sie ihm drohten, und starb ohne Reue den Scharfrichtertod.
Ein Meuchelmord war in Mannheim geschehen, Herdfrieden mißachtet, Jammer der Kinder stand um den ermordeten Vater: aber den Mörder traf keine Verwünschung.
Männer und Frauen priesen den Jüngling, empfindsame Seelen weinten um sein Geschick, wie sie um Werther weinten; als ob er ein Held und der Stolz des Vaterlandes wäre, hing an den Wänden sein Bild, hing seine Tat in den Herzen.
Keinem Tyrannen, keinem Minister, nur einem kläglichen Söldling hatte der Dolch des Studenten die Rache gebracht; der feilen Gesinnung und allen Verächtern der Freiheit sollte die Tat ein Wahrzeichen sein.