Winfried

Sie haben Winfried, den englischen Mönch, Apostel der Deutschen genannt; als aber Winfried herüber kam zu den heidnischen Friesen – vierhundert Jahre nach Wulfilas Predigt – waren die Franken, Thüringer, Alemannen und Bayern schon Christen; nur die sächsischen Völker verehrten noch Saxnot, den Gott ihrer Väter.

Die arianischen Goten, Vandalen, Burgunder hatte die römische Mühle zermahlen, ihre Könige waren verschollen in den Schlupfwinkeln der Sage; noch boten die Langobarden ihr Trutz, aber schon blühte das Frankenreich, der Kirche gehorsamste Tochter.

Dreimal zog Winfried nach Rom, der ein frommer Held seines Glaubens, ein feuriger Herold der päpstlichen Macht war: Gehorsam gegen Rom zu verkünden, war der heimliche Sinn seiner Sendung.

Darum sanken ihm Ehren auf das silbrige Haar; Legat und Erzbischof war er und Primas der deutschen Bischöfe, treu und milder Verwalter des Hauses, dem er die Balken fügte mit Klugheit und Eifer.

Denn Pipin der Kleine war nicht nur der Kirche gehorsamer Sohn; der Hausmeier brauchte den römischen Segen, seinem König die Krone zu nehmen; wie der Papst seines Schwertes bedurfte, den Langobarden zu wehren.

Mittelsmann ihrer Machthändel war Winfried der Weise; er schlichtete klug und ohne kleinliche Ränke, war Kanzler der Kirche und der früheste Kurfürst am Rhein; er liebte das Land seiner Wahl, der englische Mönch, und suchte der Ordnung zu dienen, deren mildester Meister er war.

Weil ihm die anderen Bischöfe seine Ehren mißgönnten, zog er im Alter tapfer hinaus, noch einmal hinaus zu den heidnischen Friesen; der friedliche Meister des Lebens fand seinen Tod wie ein Held, als ihn die trotzigen Friesen bei Dokkum erschlugen.

Als sein Leichnam stromauf kam durch das rheinische Land, klagten viele um einen Vater, und manche Glocke, die seine Hand weihte, gab ihm bis Fulda das Sterbegeläut; nur wenige sahen, was seine milde Geschäftigkeit hinterließ.

Ein Netz hing geflochten für den Nachfolger Petri, den größten Fischzug zu tun: das Morgenland war an den Islam verloren, in Eifersucht wachte Byzanz; im nordischen Land der Germanen war der Kirche ein Acker gepflügt, andere Dome zu tragen, als die im römischen Land.

Das Mittelalter begann, das der neuen Welt Wunder sein sollte; die Sterbeglocken zu Fulda läuteten seinen Beginn.