Der Pontifex maximus
Pontifex maximus hießen die Römer den obersten Priester, und Konstantin selber behielt das heidnische Amt trotz dem Kreuz seiner Fahnen.
Nicht lange aber, so hob der römische Bischof das glänzende Stirnband aus dem Brandschutt der Götter, als Papst und Statthalter Christi wieder der Pontifex maximus, im römischen Weltreich der Hohepriester zu sein.
So wurde Rom noch einmal das Herz der mittelmeerländischen Welt; denn der Kaiser war fern in Byzanz und sein Glanz blickte düster ins Morgenland, indessen der Norden hell wurde im Junglicht germanischer Kraft.
Der erste Gregor, der Große genannt, Präfekt und Römer von Reichtum und Rasse, bevor er sein Haupt schor, gab dem römischen Titel die römische Geltung zurück, das zerfallene Reich Cäsars erneuernd als Macht seiner Priester.
Er sandte das Pallium aus, wie vormals der Kaiser die purpurgesäumte Toga, er ließ seine Legionäre schulen im Orden der Benedektiner.
Fegfeuer und Seelenmesse, Bilderdienst und der bunte Heiligenhimmel: das Rüstzeug der Kirche hob seine cäsarische Hand auf, der von Herkunft ein Römer, aus frommer Neigung ein Priester und der berufene Pontifex maximus war.
Der Kaiser war fern in Byzanz, das langobardische Schwert hing dicht über Rom; in Gallien aber beugten die ersten Germanen das Knie vor der Kirche: die Franken waren die Feinde der Goten, sie sollten gegen die Langobarden die römische Leibwache sein.
Vom römischen Scharfblick geführt, staatskundig und stetig im Schachspiel steigender Macht, weitblickend aus Nöten der Nähe, brachte die Kirche den Handel ans Ziel, Pipin den Kleinen als König der Franken zu salben.
Stephan der Papst kam selber ins gallische Land, reitend auf einem Maultier, wie Samuel der Priester vor Saul kam, drei Meilen weit ins Lager der streitbaren Franken von Pipin dem König am Zaum eingeführt.
Er gab ihm die heilige Salbung und brachte sie heim, die Pipinsche Schenkung, die ihn, den Hirten der Christengemeinde, zum Fürsten des römischen Kirchenstaats machte: eine Schrift nur, ein Pergament in den Falten des Priestergewandes.
Aber der Pontifex maximus hatte den Heerbann der Franken gesehen und harrte getrost ihres Schwertes.