Wechselfieber und Fieberanfälle überhaupt.

Bei Fiebern wird der obere Theil des Kopfes vor dem Schlafengehn mit dem präparirten Franzbranntwein eingerieben, und am andern Morgen nimmt der Patient nüchtern und eine Stunde vor dem Frühstück zwei Eßlöffel des Medicaments, mit sechs Eßlöffeln heißen Wassers gemischt. Bei Frauen reicht die Hälfte hin. Dies Verfahren ist zwölf Tage hinter einander fortzusetzen, wenn auch das Fieber bereits vor Ablauf dieser Zeit verschwunden ist; dauert es aber noch über diese Periode hinaus, so fahre man mit Einreiben und Einnehmen auch ruhig fort, bis die Krankheit gewichen.

Während der Nordostwinde, die in der Gegend von Frankreich, welche ich bewohne, vor einiger Zeit sehr heftig wehten, klagten viele Leute über plötzliche Frost- oder Fieberschauer, heftiges Kopfweh, Brustschmerzen oder Seitenstechen, und wenn sie im Freien von diesen Uebeln ergriffen wurden, hatten sie Mühe, ihre Heimath zu erreichen, denn sie fühlten sich sogleich lebensgefährlich krank. Der erste von meinen Leuten, welcher heimgesucht wurde, schickte zum Arzt, der ihn stark zur Ader ließ, auf kärgliche Diät setzte, und ihn vom Tode rettete, obschon seine Genesung sehr langsam ging. Der zweite war einer meiner Forstleute, von dem ich nun erfuhr, er sei plötzlich gestorben. Der dritte war ein Knecht, der am Sonnabend erkrankte und am Sonntag schon starb. Der vierte endlich war ein junger Bursche auf einem meiner entlegenen Vorwerke, welches ich am Montage, dem Tage nach dem Tode des Knechtes, zufällig besuchte, und wo keine ärztliche Hülfe so schnell zu haben war. Ich erfuhr, er sei an diesem Tage wie gewöhnlich um drei Uhr aufgestanden, um das Vieh zu füttern, habe aber bald über Frost, Kopf- und Brustschmerz geklagt, und kaum sein Bett wieder erreichen können. Man erzählte mir, er sei sehr krank, und werde den nächsten Tag kaum mehr erleben. Ich besuchte ihn auf der Stelle, und fand jene Aussagen bestätigt. Obgleich man bereits nach einem Arzt geschickt hatte, glaubte ich doch, da es sich um einen meiner Diener handelte, vorläufig mein Mittel anwenden zu dürfen. Ich ließ ihm daher den Kopf mit der Flüssigkeit tüchtig waschen und einreiben, und gab ihm zwei Eßlöffel voll davon, mit eben so viel heißem Wasser gemischt, ein. Ehe ich ihn verließ, fragte ich ihn, wie es mit seinem Kopfe stehe: er sagte: — »gut.« Als ich am nächsten Tage wieder auf das Vorwerk kam und nach ihm fragte, hieß es: »O, der ist ganz wohl, und heute früh um drei Uhr schon wieder an die Arbeit gegangen.« Ich erfuhr, der Arzt sei über Land gefahren gewesen und nicht gekommen; bald darauf erschien auch der wieder hergestellte junge Bursche, um sich bei mir zu bedanken.

Ueberhaupt hat man bei Fieberanfällen aller Art, sie mögen von bekannten oder unbekannten Ursachen herrühren, dem Patienten immer nur sogleich den Kopf mit dem Medicament einzureiben, und ihm davon zwei mit heißem Wasser vermischte Eßlöffel voll davon einzugeben. Dieses Eingeben ist in Zwischenräumen von 1 bis 3 Stunden zu wiederholen, je nachdem die Fieberanfälle heftig sind, oder schnell auf einander folgen.