516. How great, Almighty, is Thy kindness

Christian F. Gellert, 1715-69

Tr. Margarete Münsterburg, 1917

1.

Wie gross ist des Allmächt’gen Güte!

Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt,

Der mit verhärtetem Gemüte

Den Dank erstickt, der ihm gebührt?

Nein, seine Liebe zu ermessen,

Sei ewig meine grösste Pflicht;

Der Herr hat mein noch nie vergessen,

Vergiss, mein Herz, auch seiner nicht!

2.

Wer hat mich wunderbar bereitet?

Der Gott, der meiner nicht bedarf.

Wer hat mit Langmut mich geleitet?

Er, dessen Rat ich oft verwarf.

Wer stärkt den Frieden im Gewissen?

Wer gibt dem Geiste neue Kraft?

Wer lässt mich so viel Guts geniessen?

Ist’s nicht sein Arm, der Alles schafft?

3.

Blick’, O mein Geist! in jenes Leben,

Zu welchem du erschaffen bist,

Wo du, mit Herrlichkeit umgeben,

Gott ewig sehn wirst, wie Er ist.

Du hast ein Recht zu diesen Freuden,

Durch Gottes Güte sind sie dein.

Sieh, darum musste Christus leiden,

Damit du könnest selig sein.

4.

Und diesen Gott sollt’ ich nicht ehren,

Und seine Güte nicht verstehn?

Er sollte rufen, ich nicht hören?

Den Weg, den er mir zeigt, nicht gehn?

Sein Will’ ist mir ins Herz geschrieben,

Sein Wort bestärkt ihn ewiglich:

Gott soll ich über Alles lieben,

Und meinen Nächsten gleich als mich.

5.

Dies ist mein Dank, dies ist sein Wille,

Ich soll vollkommen sein, wie er.

So lang ich dies Gebot erfülle,

Stell’ ich sein Bildnis in mir her.

Lebt seine Lieb’ in meiner Seele,

So treibt sie mich zu jeder Pflicht;

Und ob ich schon aus Schwachheit fehle,

Herrscht doch in mir die Sünde nicht.

6.

O Gott! lass deine Güt’ und Liebe

Mir immerdar vor Augen sein!

Sie stärk’ in mir die guten Triebe,

Mein ganzes Leben dir zu weihn;

Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen,

Sie tröste mich zur Zeit des Glücks,

Und sie besieg’ in meinem Herzen

Die Furcht des letzten Augenblicks!

The hymn was first published in Leipzig, 1757, in six stanzas, entitled, “The Goodness of God.”

Gellert was one of the most popular writers in German literature. Born in Saxony, the son of a Lutheran country preacher, he attended Fürstenschule at Meissen, and then went to the University of Leipzig where he studied philosophy and theology. Later he lectured at that university on poetry, elocution, and moral philosophy. He was beloved by all his classes, the lectures sometimes being attended by four hundred. Outside the university he was even more popular. A poor peasant once unloaded a cart full of wood before Gellert’s house, begging him to accept the gift as thanks for his beautiful fables. The keynote of his popularity is expressed in one of his letters:

Mein grösster Ehrgeiz besteht darin, dasz ich den Vernünftigen dienen und gefallen will, und nicht den Gelehrten im engen Verstande. Ein kluges Frauenzimmer gilt mir mehr als eine gelehrte Zeitung, und der niedrigste Mann von gesundem Verstande ist mir würdig genug, seine Aufmerksamkeit zu suchen, sein Vergnügen zu befördern und ihm in einem leicht zu behaltenden Ausdrucke gute Wahrheiten zu sagen und edle Empfindungen in seiner Seele rege zu machen.

Gellert’s reputation rests chiefly on his fables and stories. His best religious poems are “Wie gross ist des Allmächt’gen Güte,” “Dies ist der Tag, den Gott gemacht,” and “Jesus lebt, mit ihm auch ich” ([543]).

No information is at hand concerning the translator, Margarete Münsterberg.

MUSIC. WIE GROSS IST DES ALLMÄCHT’GEN GÜTE is ascribed here to C. F. Richter. The Canadian Gesangbuch credits the tune to J. Freylinghausen.

Christian Friedrich Richter, 1676-1711, born at Sorau, in Niederlausitz, studied medicine and theology in Halle and became practicing physician in the Orphanage in Halle. A deeply religious man with poetic insight, he wrote 33 hymns, and is the author of a treatise on the Crucifixion of Christ.