555. Evening and morning, sunset and dawning

Paul Gerhardt, 1607-70

Tr. Richard Massie, 1800-87

1.

Die güldne Sonne,

Voll Freud’ und Wonne,

Bringt unsern Grenzen

Mit ihrem Glänzen

Ein herzerquickendes, liebliches Licht.

Mein Haupt und Glieder,

Die lagen danieder;

Aber nun steh’ ich,

Bin munter und fröhlich,

Schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

2.

Mein Auge schauet,

Was Gott gebauet

Zu seinen Ehren,

Und uns zu lehren,

Wie sein Vermögen sei mächtig und gross,

Und wo die Frommen

Einst sollen hinkommen,

Wann sie mit Frieden

Von hinnen geschieden

Aus dieser Erde vergänglichem Schoss.

3.

Lasset uns singen,

Dem Schöpfer bringen

Güter und Gaben!

Was wir nur haben,

Alles das sei Gott zum Opfer gesetzt.

Die besten Güter

Sind unsre Gemüter;

Lieder der Frommen,

Von Herzen gekommen,

Sind Opferrauch, der ihn am meisten ergötzt.

4.

Abend und Morgen

Sind seine Sorgen;

Segnen und mehren,

Unglück verwehren

Sind seine Werke und Taten allein.

Wann wir uns legen,

Ist er zugegen;

Wann wir aufstehen,

So lässt er aufgehen

Ueber uns seiner Barmherzigkeit Schein.

5.

Ich hab’ erhoben

Zu dir hoch droben

All’ meine Sinnen:

Lass mein Beginnen

Ohn’ allen Anstoss und glücklich ergehn!

Laster und Schande,

Lucifers Bande

Fallen und Tücke

Treib’ ferne zurücke;

Lass mich auf deinen Geboten bestehn!

6.

Lass mich mit Freuden,

Ohn’ alles Neiden

Sehen den Segen,

Den du wirst legen

In meines Bruders und Nähesten Haus!

Geiziges Brennen,

Unchristlich Rennen

Nach Gut mit Sünde

Das tilge geschwinde

Aus meinem Herzen, und wirf es hinaus!

7.

Menschliches Wesen,

Was ist’s gewesen!

In einer Stunde

Geht es zu Grunde,

Sobald das Lüftlein des Todes drein weht;

Alles in Allem

Muss brechen und fallen;

Himmel und Erden,

Die müssen das werden,

Was sie gewesen, eh’ Gott sie erhöht.

8.

Alles vergehet;

Gott aber stehet

Ohn’ alles Wanken;

Seine Gedanken,

Sein Wort und Wille hat ewigen Grund.

Sein Heil und Gnaden,

Die nehmen nicht Schaden,

Heilen im Herzen

Die tödtlichen Schmerzen,

Halten uns zeitlich und ewig gesund.

9.

Gott, meine Krone,

Vergib und schone!

Lass meine Schulden

In Gnad’ und Hulden

Aus deinen Augen sein abgewandt.

Sonsten regiere

Mich, lenk’ und führe

Wie dir’s gefället!

Ich habe gestellet

Alles in deine Beliebung und Hand!

10.

Willst du mir geben,

Womit mein Leben

Ich kann ernähren,

So lass mich hören

Allzeit im Herzen dies heilige Wort:

“Gott ist das Grösste,

Das Schönste, Beste!

Gott is das Süss’ste,

Das Allergewiss’ste

Von allen Schätzen, der edelste Hort!”

11.

Willst du mich kränken,

Mit Galle tränken,

Und soll von Plagen

Ich auch was tragen:

Wohlan denn, so mach’ es, wie dir es beliebt!

Was gut und tüchtig,

Was schädlich und nichtig

Meinem Gebeine,

Das weisst Du alleine,

Hast niemals einen zu bitter betrübt.

12.

Trübsal und Zähren

Nicht ewig währen;

Nach Meeresbrausen

Und Windessausen

Leuchtet der Sonne verklärtes Gesicht.

Freude die Fülle,

Und selige Stille

Hab’ ich zu warten

Im himmlischen Garten;

Dahin sind meine Gedanken gericht’t!

“A splendid hymn of our poet, golden as the sun going forth in his beauty, full of force and of blessed peace in the Lord, full of sparkling thoughts of God.” (Lauxmann). Our hymn is a selection of stanzas 4, 8, and 12 of the original twelve.

For comments on Paul Gerhardt see [Hymn 134].

This excellent translation by Richard Massie has come into general use.

For comments on Massie see [Hymn 554].

MUSIC. DIE GÜLDNE SONNE, also called “Franconia,” is a beautiful melody by Johann G. Ebeling, 1620-76. A number of his chorales are still in high favor. The name of the tune is derived from the title of Gerhardt’s hymn for which it was written.

For comments on Ebeling see [Hymn 525].

EVENING