3.
Die Sonne hatte ihren weiten Bogen schon durchlaufen
Und färbte hell mit Flammenrot der Wolken graue Haufen;
Auf Erd und Wasser zitterte ihr Licht von goldner Wange,
Und auf dem reichen Thron entbrannte sie im Untergange —
Ihr wundervoller Blick, er blendet jetzt das Aug nicht mehr,
Und milde, sichtbar sät sie rings die Strahlen um sich her.
Eh sie sich in die Tiefe birgt nach kurzem Segensgruß,
Gewähret sie den ird’schen Augen einen Scheidekuß.
Noch zögert sie im letzten Augenblick sich zu versenken,
Um alle Wesen mit des Lebens Lächeln noch zu tränken.
Noch lugt sie durch die Scheiben dort hinein, wo Menschen wohnen,
Bang wie der Freundschaft Blick, die fliehen muß in ferne Zonen.
Sie wirft ihr Purpurkleid hoch aus der Wolken trüben Dust
Und taucht in das Geheimnis der Natur die reine Brust;
Die Nacht verwischt mit neid’schem Finger schnell des Tages Pfad,
Schleppt nach — den schwarzen Mantel für Verbrechen und Verrat.
Wo weilt der Kronschwertträger doch? Die Zeit ist angebrochen,
Da nach der Schlacht die Schläuche42 anzuzapfen er versprochen,
Da, froh sein Herz erschließend er sein Haus versammeln sollte,
Das Glück der Tochter krönen und den Schwiegersohn bewirten wollte;
’ne reizende Gesellschaft ist zu Gaste schon erschienen:
Was mag ihm wohl als Grund für so unzeit’ge Zög’rung dienen?